Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Schulze; Die staatsrechtliche Stellung NeuenburgS. 193
NeuenburgS in ihrer geschichtlichen Entwicklung, hervorragend durch
seltenes Geschick in der durchsichtigen und eleganten Behandlung eines
weitschtchtigen Stoffs; das M6moire ist eine für den Augenblick be-
rechnete Staatsschrift.
So enthält denn das Schulzesche Buch über die Verhältnisse
vor dem Erwerb Neuenbürgs durch daö Preußische Haus (1707)
und zum Theil über die späteren ein ungleich reicheres Material als
die Denkschrift, so daß hier eine Vergleichung gar nicht zulässig ist,
die jedoch, was die Verhältnisse seit 1707 und namentlich seit 1815
anlangt, schon nach dem Umfang beider Darstellungen wohl er-
laubt ist.
Von dem Rechtsstand des preußischen Hauses vor 1707, vor
dessen Einsetzung durch die feierliche Sentenz der Drois Ltats wollen
wir hier schweigen. Das Recht der preußischen Fürsten auf Neuen-
burg steht durch die späteren Vorgänge unbestreitbar fest. Die Schwei-
zer Denkschrift legt ein großes Gewicht auf die 1806 erfolgte Ab-
tretung Neuenbürgs an Frankreich, wodurch der König seine Rechte
verwirkt habe. Denn zu den von ihm beschwornen Grundsätzen deS
Neuenburger Staatsrechts habe die Unveräußerlichkeit des Landes
gehört und Friedrich I. habe 1707 durch seinen Bevollmächtigten er-
klären lassen: „1« Roi consent que vous soyez absous et dispensas
„de vos sermens, en cas qu’il manquät ä ses engagemens.“ Allein,
welche Wirkungen man auch diesen Umständen beilegen mag, die
unangefochtene, allseitig anerkannte Herrschaft der preußischen Fürsten
von 1814 bis 48 begründet jedenfalls für sich allein einen genügen-
den Rechtsboden.
So grundlos uns also eine Bestreitung des Rechtsanspruchs des
preußischen Hauses zu sein und so wenig wissenschaftliches Interesse
uns daher eine kritische Erörterung desselben zu haben scheint, so
sehr bedarf, unsres Erachtens, ein andrer Punkt einer solchen, in
Betreff dessen merkwürdiger Weise unsre beiden obigen Schriften,
auf so verschiedenen Standpunkten stehend und nach so verschiedenen
Zielen strebend, zum Nachtheil des Fürsten von Neuenburg, zu Gun-
sten der Schweiz übereinstimmen. Wir meinen daö durch den Bei-
trtttSvertrag vom 19. Mat 1815 begründete Verhältniß NeuenburgS
bezüglich seines Fürsten zum Schweizer Bund.
Bei den Verhandlungen vom Jahr 1814 über die Aufnahme
NeuenburgS in den Bund zeigte sich, daß man Schweizerischer Seite

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