Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

174 Goldschmtdt: Entwurf eine« preuß. Handelsgesetzbuchs.
1. Eine allerdings bejahende Vorschrift des reformirten Stadt-
rechts von Genua von 1589 (lib. 4 cap. 12).
2. Die Italienischen Rechtslehrer Straccha nnd Casaregis. Allein
beide so gewichtige handelsrechtliche Autoritäten behandeln und be-
jahen nur die völlig verschiedene Frage, inwiefern bei verschiedenen
Etablissements Einer Societät, oder bei verschiedenen Societätcn,
welche theilweise auö denselben Personen bestehen, die Gläubiger
eines jeden Etablissements oder einer jeden Societät befugt seien, sich
auö den Fonds dieses Geschäfts mit Ausschluß der Gläubiger des
anderen Etablissements oder der anderen Societät zu befriedigen* **)).
Wäre dieser Satz, den selbst Schriftsteller des heutigen Handelsrechts
und Hauptverfechter einer durchaus modernen Anschauungsweise des-
selben auf die ganz singulären Vorschriften des Römischen Rechts
über den Handelsbetrieb der Sklaven zu stützen suchen*'*), anch
völlig begründet, so wäre er für unsere Frage doch gänzlich einfluß-
los. Denn cs handelt sich hier nicht um verschiedene Etablissements,
oder verschiedene Gesellschaften, sondern um Ein Etablissement Einer
offenen Gesellschaft, und um die Concurrenz von Societäts- und
Privatgläubigern in Betreff der Activa dieser Einen Niederlassung.
3. Weitere Stützen sollen bieten die Preußische Allgemeine Ge-
richtsordnung I 50 §. 289 und die Hamburger Fallitenordnung
art. 64.
Allein wir haben oben gesehen, daß das ältere Preußische Recht

*) Straccha tract. de decoct. pars V no. 13. Casaregis disc. leg-
39 no. 18—21. disc. 146 no, 54. Auch Ansaldis de commercio et mere,
disc. 4 no. 13 geht nicht weiter. Der einzige 8caccia de cornm. et camhio,
welcher allerdings die Frage bejaht (§. VI gl. 1. no. 91) erklärt ausdrücklich,
daß er nur Genuesisches Recht im Auge habe; im Uebrlgcn verwirft er in No.
96 die Ausdehnung des ScparationSrechtS auf den Fall Eines Etablissements
entschieden.
**) Diese Regeln sind sicherlich anttquirt. Höchstens wäre von ihnen noch
alsdann Gebrauch zu machen, wenn ein der väterlichen Gewalt nicht ent-
lassener HauSsohn gleichwohl mit väterlicher Einwilligung verschiedene Handels-
geschäfte mit getrenntem Verlage betriebe. UcbrigenS coneurrtrt ja hier der
Vater, obwohl nicht Handelsgläubiger. Weiter geht selbst Glück nicht (Pan-
dektencommentar XIV S. 267—278), welchen Mörstadt als Gewährsmann seiner
Ansicht eitirtl Sich auch Hürltmann a. a. O. S. 56—79. Bayer Eon-
curSpr. 8- 21. Günther a. a. O. S. 25. 107. Thöl Handelsrecht h. 19
Not. 8. v. Vangerow HI S. 244. Archiv für Rechtsfälle X E. 142 ff.^

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer