Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Goldschmidt: Entwurf eines prcuß. Handelsgesetzbuchs.

unter der Societätsfirma abgeschlossenen VerpflichtungSgeschäste dem
Gläubiger in der Regel auf das Ganze, als Correalschuldner, ver-
pflichtet; soweit der Einzelne über seinen Societätsantheil zahlt,
darf er sich an die Uebrtgen pro rat» regressiren. Fallirt ein
Gesellschafter, so lost sich die Societät auf, und die Gantmaffe des
Falliten ist befugt, den Societätsantheil des Letzteren mit der Thei-
lungsklage zur Masse zu ziehen. Wollte man ihr nun gestatten, den
Antheil an den Societätsaktivis allein herauszuziehen, so würden die
übrigen Gesellschafter empfindlichen Schaden leiden, da ihnen die
solidarische Haftung gegen die Gläubigen droht, der mögliche Regreß
dagegen factisch entzogen oder doch geschmälert wird. Rvthigte man
diese, sich wegen ihrer Regreßansprüche in den Concurö einzulaffen,
so wäre die Eingehung einer Gesellschaft „daS gewagteste aller Ge-
schäftes."
Mit billiger Rücksicht hierauf gestattet schon das Römische Recht
denjenigen Gesellschaftern, welche nach außen zum Vollen haften, ihren
Regreß gegen den Falliten durch Vorwegnahme des den Letzteren
treffenden Antheils an den fälligen Societätsschulden zu sichern,
so daß nur der Rest zur Masse gelangt; für noch nicht fällige So-
cietätsschulden ist ihnen Caution zu leisten*) **). Man wird mit dem
Preußischen Recht und dem Entwurf noch weiter gehen, und selbst
in Betreff betagter Schulden die antheilige Vorwegnahme, allenfalls
gegen Abzug des intsrimurü, gestatten dürfen***).
Zeigt sich später, daß zu viel zurückbehalten ist, weil SocietätS-
gläubiger, wider Erwarten, statt die solventen Gesellschafter zu be-
langen, sich an die Fallitmasse halten, so würde der Ueberschuß an
diese herausgegeben werden müssen, und nachträglich zur Vertheilung
kommen.
Dieses Separationsrecht dient lediglich, den Regreß der solventen

*) Günther der ConcurS der Gläubiger. Leipzig 1852. S. 55—57.
**) L. 27. 28. 38 pr. D pro socio (17, 2). J. 14 §. 3 D com. divid.
(10, 3). I. 41 D de jud. (5,1). Treitfchke Gewerbegesellschaft S.238—254.
Günther a. a. O. Brtnckmann'S Einwürfe (Handelsrecht S. 180 Not. 7)
laufen auf eine petitio principii hinaus, und auf eine Verwechselung der Rechte
der Gesellschafter mit dem angeblichen Recht der GesellschastSgläubiger. DaS
Preußische Recht hat er mißverstanden.
***) A.G.O. I 50 §. 289. 290. Pr. Conc.-O. vom 8/5 55 8. 36. 291.
249. 250. Entwurf 8. 897. 133.

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