Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Goldschmidt: Entwurf eine- preuß. Handelsgesetzbuchs. 159
Zu Unternehmungen, welche einer bedeutenden festen Kapital-
anlage bedürfen, wird das Vermögen Einzelner selten ausrcichen,
oder es werden doch nur Wenige gesonnen sein, ihre ganze ökono-
mische Zukunft schlechterdings auf Einen Wurf zu setzen. Hier em-
pfiehlt sich der Weg der Capttalassociatton: in Form der Ak-
tiengesellschaft, falls kein Theilnehmer eine solidarische Verant-
wortlichkeit übernehmen will, aber auch Keiner den überwiegenden
Einfluß eines Prinzipals in Anspruch nimmt; in Form der Com-
manditengesellschaft, falls die Interessen der Theilnehmer in
der Art verschieden sind, daß Einzelne, um die Geschäftsleitung in
der Hand zu behalten, sich der unbeschränkten Verantwortlichkeit nach
außenhin unterziehen, Andere mit der bescheideneren, aber auch siche-
reren Rolle von Kapitaleinlcgern sich begnügen. Je nachdem die
Zahl der Commanditisten geringer oder größer ist, wird eine ein-
fachere Organisation genügen, oder eine der Aktiengesellschaft sich
annähernde Einrichtung erforderlich sein. Nur muß auch in dem
letzteren Fall an dem unterscheidenden Moment festgehalten werden,
daß der Complementar einer Commanditgesellschaft auf Aktien niemals
bloßer Geschäftsführer (Faktor), sondern wirklicher Prinzipal der
Handlung ist*).
Der letzte Schritt zur Mobilisirung der Societät geschieht durch
Ausgabe von Inhaberaktien. Eine Aktien- oder Commandit-
gesellschaft, deren Mitgliedschaft lediglich an den Besitz einer Antheils-
urkunde geknüpft ist, bildet den geraten Gegensatz zu der gleichsam
unbeweglichen Collcctivgcsellschaft, mit ihrer festbegrenzten und fest-
stehenden, meist nur geringen Anzahl bestimmter Associas, deren
Persönlichkeit überall im Vordergrund steht, in dem Umfang der
Berechtigung wie der Verpflichtung, und die Existenz des Vereins
selbst bedingt.
Mit diesen drei Grundformen dürfte sich der juristische
Bildungstrieb im Wesentlichen erschöpft haben: Reine Personengescll-
schaft, reine Kapitalverbindung, und stille Gesellschaft zwischen beiden,
aus Elementen beider zusammengesetzt. Innerhalb dieser Grundformen
finden die verschiedenartigsten Jntcreffcn ausreichende Berücksichtigung,
z. B. der Anspruch des bloßen JndustriegesellschafterS auf Vergütung
feines eingebrachten Arbcitskapitals wird auch in der Aktiengesellschaft

*) Man pflegt ihn weht Elgenthnmrr der Firma zu nennen.

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