Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

12 Arrzm »r> y: Lthrb. d. allgem. u. österrelch. «vang.-pretest. AtrchenrechtS.
scr Begriff liegt aber nach deS Verfaffers eigener Angabe in den
Bekenntnißschristen fertig vor; die übrige Arbeit in dieser neuen Wis-
senschaft ist so unthcologisch wie möglich; wir verweisen in dieser Be-
ziehung auf das oben Gesagte.
Es möchte sich übrigens mit diesem allgemeinen evangelischen
Kirchenrechte verhalten wie es wollte, in jedem Falle müßten wir
dieser Disciplin die Berechtigung absprechen, die Stellung des ge-
sammten Ktrchenrechts nach sich zu bestimmen.
Denn was hat es mit diesem allgemeinen evangelischen Kir-
chenrechte eigentlich auf sich? Dasjenige was objektiv geworden ist,
sich thatsächlich in der wirklichen Welt gestaltet hat, und sei eS
auch mit noch so viel Mängeln behaftet, ist immer bedeutsamer
als das, was ein Einzelner „im Laufe eines Viertcljahrhunderts
theils in der Seelsorge, theilö durch Theilnahme am Kirchen-
regiment, theils im Schulamte sich gesammelt hat", denn die Ge-
schichte ist älter als ein Vierteljahrhundert, und die Geschichte be-
steht aus dem Zusammenwirken vieler Einzelner. Derartigen Ver-
suchen wird daher stets die natürliche Bornirtheit der Subjektivität
ankleben, der Reflector für solche sporadische Erfahrungen ist nach
deS Verfassers Ausdruck das eigne Herz, welches er in feiner Selbst-
ironie mit einer camera odscura vergleicht, einen Vergleich, den
wir bis auf den einzigen Umstand sehr paffend finden, daß diese
camera obscura keine Lichtbilder hervorbringt. Wir bezweifeln sehr,
daß der Zweck des Verfaffers, mit diesem Buche Einfluß auf die
bevorstehende Regeneration der Landeskirche in Oesterreich zu erlan-
gen, sich realisiren wird, dazu wäre selbst dann keine Aussicht, wenn
er jene oüoia in objektiver Wahrheit hingestellt und entwickelt
hätte, denn es ist stets zu bedenken, daß es neben der Kirche auch
noch andere Anstalten gibt, und daß auch diese ein Recht auf Exi-
stenz haben. In doppelter Weise möchte deßhalb die Einwirkung
des allgemeinen evangelischen Kirchenrechts auf das demnächstigc öster-
reichische zurückgewiesen werden können; und der Verfasser hätte je-
denfalls besser gethan, sich durch die Ereignisse statt zur Eile zum
Abwarten bestimmen zu lassen, um nach erfolgter Regeneration etwas
Positives zu liefern.
Nachdem wir nunmehr theils im Allgemeinen, theils mit Rücksicht-
nahme auf die Ausführungen des vorliegenden Buchs unsere Ansicht
von der Zugehörigkeit des Ktrchenrechts zur Rechtswissenschaft ver-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer