Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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Gvldschmidt: Entwurf eines preuß. Handelsgesetzbuchs.

Man hat die verschiedenen Arten von Handlungsgehülfen zu
unterscheiden.
Sind sie in untergeordneten Stellungen, z. B. als Kafsirer,
Laden- oder Lagerdiener in einem bestimmten Lokal (Comptoir, Laden,
Magazin) angestellt, so ist jede Einschränkung oder Aufhebung der
nach ihrer Anstellung vorauszusetzendcn Vertretungsbefugniß gutgläu-
bigen Dritten gegenüber völlig wirkungslos; selbst eine öffentliche
Anzeige kann hier nicht genügen, da die Aufhebung der Procura
durch die Fortdauer der Anstellung thatsächlich widerlegt wird, und
die Kenntnißnahme der Beschränkung in solchem Falle Niemanden
zugemuthet werden kann.
Man denke, daß in einem ausgedehnten Manufakturwaaren-
geschäft, welches 50 Ladendiener beschäftigt, 10 Ladendienern die
Annahme von Zahlungen für die durch sic verkauften Maaren unter-
sagt, daß diese Beschränkung, mit Nennung der Namen, durch daö
Handelsregister, die öffentlichen Blätter, durch Anschlag an dem
Ladenlokal bekannt gemacht wäre — soll da der auswärtige Käufer,
welcher nie von dieser Beschränkung vernommen hat, sein Geld ver-
lieren, falls der Commis cs dennoch annimmt und unterschlägt? oder
soll der Käufer, dem zwar die Einschränkung, nicht aber der Name
jedes einzelnen Ladendiencrs bekannt ist, genöthigt sein, sich bet dem,
vielleicht gar nicht anwesenden Prinzipal nach den Namen der Commis
zu erkundigen? Das wäre eine geradezu unerträgliche Belästigung
des Publikums, und bei irgend lebhaftem Verkehr völlig undurch-
führbar. Hier muß durchgegriffen werden. Mer einem Gehülfen
nicht volles Vertrauen schenken kann, mag ihn nicht offenkundig in
einem Wirkungskreise anstellen, mit welchem naturgemäß eine gewisse
Stellvertretungsbefugniß verknüpft ist.
Anders verhält es sich mit denjenigen Gehülfen, welche auch
außerhalb des Geschäftslokals zur Eingehung von Rechtsgeschäften
bevollmächtigt sind. Mit diesen wird ein Dritter vernünftiger Weise
sich nur dann etnlaffcn, wenn er über den Umfang ihrer Vollmacht
sich besonders vergewissert hat. Eine Beschränkung ihrer präsumtiven
Procura ist darum gar wohl zulässig, sofern nur dafür gesorgt wird,
daß sie zur allgemeinen Kunde gelange; und die bloße Entlassung
genügt für diese nicht, weil ihr die Erkennbarkeit nach außen hin
abgeht. Ebenso wenig ist die Veröffentlichung des Eintrags im
Handelsregister zureichend, sofern auswärtiger Geschäftsverkehr in Frage

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