Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

Goldschmtdt: Entwurf eines preuß. Hondel-gefttzduchS. 123

VI. Von den Handelsbücheru.
Auch der Vierte Titel „Von den Handelsbüchern" (§. 27
bis 42) schließt sich, wie der Entwurf des Reichshandelsgesetzbuchs*)
(tit. 2 art. 4—18), welcher ihm durchaus als Quelle gedient hat,
in allen wesentlichen Punkten dem französischen System an.
Der Staat hat an sich keine Veranlassung, dem Kaufmann
eine Buchführung überhaupt, oder gar eine bestimmte Art derselben
vorzuschreiben; das eigene Interesse wird den letzteren dazu bestimmen,
durch ein geordnetes Rechnungswesen sich die Möglichkeit einer sicheren
und leichten Uebersicht über den jederzeittgen Stand seiner Vermö-
gensverhältnisse, seiner Beziehungen zu jedem einzelnen Geschäftsfreund,
über die Rentabilität deö Geschäftsbetriebs zum Zwecke weiterer Spe-
culattonen zu verschaffen. Nur insofern der dem Handelsverkehr un-
erläßliche hohe Grad allseitigen Vertrauens in die persönliche Ehren-
haftigkeit und Besonnenheit des Gcgcnthetls außerordentliche Schutz-
maaßregeln der Staatsgewalt gegen grobe Verletzung erforderlich
macht, erscheint die Einmischung der letzteren ebenso zweckmäßig als
geboten. Dieser Schutz ist, nach Gewohnheitsrecht und neueren Ge-
setzen, von doppelter Art. Einmal die den ordnungsmäßig geführten
Rechnungsbüchern, also bloßen Privatskripturen, beigelegte Beweis-
kraft zu Gunsten des producircnden Kaufmanns: das ist eine Ga-
rantie für letzteren gegen Mißbrauch des in der Regel ohne ängst-
liche Sorge um erforderlichen Beweis gewährten CreditS, und zugleich
eine Prämie für seinen bewährten Ordnungssinn. Andererseits die
Ahndung ordnungswidrigen Verhaltens, als Quelle der Beeinträchti-
gung Anderer und des von diesen geschenkten Vertrauens, durch daS
Strafgesetz.
Zwar der zweite Punkt ist im Entwurf selbst nicht berührt
(vgl. 6oäe äs oommercs 13. 586. 591. 6ocls p6n»I 402), doch
setzten die Verfasser offenbar die Strafbestimmungen des geltenden
Preußischen Rechts über den betrügerischen und einfachen Bankerutt
voraus (Strafgesetzb. §. 259 No. 3. 4. §. 261 No. 2).
Um deswillen hat das Handelsrecht festzustellen, unter welchen
Bedingungen das Rechnungswesen eines Kaufmanns als ordnungs--

*) Uebrr diesen vgl. Brivckman« im Archiv f. rivil. Prärie Bd. 33. ©.
73-100,

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