Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

21. Der Entwurf eines Handelsgesetzbuchs für die Preußischen Staaten

Der Entwurf eines Handelsgesetzbuchs für die Preußischen
Staaten.
Es erregte freudige Ucberraschung, als im Laufe des verflossenen
Jahres der schier verschollene Plan eines deutschen Handelsgesetz-
buches vom Bundestage ausgenommen ward, und mit der Auffor-
derung an die Einzelnstaaten zur Ernennung von Eommiffarien die
ersten Vorbereitungsschritte geschahen. Je weiter für die lebende Ge-
neration die Aussicht zurücktritt, die politischen Einhettsbrstrebungen
der letzten Menschcnalter mit endlichem Erfolge gekrönt zu sehen, um
so dringender erscheint es geboten, wenigstens dem materiellen Ein-
heitSbedürfniß Rechnung zu tragen. Je weiter das einheitliche Zoll-
gebiet sich ausdehnt, um so größer wird der Kreis der gemeinsamen
ökonomischen Interessen . um so störender aber auch die Verschie-
denheit der Rechtsnormen, welche Stetigkeit und Sicherheit des Han-
delsverkehrs beeinträchtigt. Allgemein anerkannt ist die Nothwendig-
kcit, gerade auf diesem Felde die erwünschte Rcchtscinheit zuerst an-
zubahneu; an der Möglichkeit, wie an dem Beruf zu solcher Codifi-
cation läßt die glückliche Durchführung der deutschen Wechselordnung
keinen Zweifel. Freilich thut es Roth, die Schwierigkeiten nicht zu
unterschätzen.
Während daS Wcchsclrecht, in sich abgeschlossen, von jeher eine
selbstständige Entwicklung erfahren, stehen die übrigen handelsrecht-
lichen Disciplincn fast durchweg auf der Basis des gemeinen Eivil-
rechts; eS sind die civilrechtlichen Institute des Kaufs, des Mandats,
der Societät u. s. w., an welchen die für den Handel wesentliche
Seite entweder eigenthümlich auSgebildet, oder, dem Civilrecht gegen-
über, mehr oder minder modificirt erscheint. Von dieser Grundlage
abstrahircn zu wollen, Ware eben so thöricht als unftuchtbar, und
*) Ueber die früheren EinigungSverfuche vgl. namentlich Br an'S Minerva
Novemberheft 1856 No. 5.
Nrit. Zeitschrift für gcsammte RechtSw. IV. Bd.

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