Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

46 Fichte, System fett Ethik.
Zeitalters ihm -ei, so daß sein Naturrecht das in Deutschland
herrschende wurde.
b) Fichte setzte sich das gleiche Problem wie Kant, versuchte
die Deduction des Rechtsprinzips aber auf dem -los logischen
Wege, ausgehend von dem Setzen gleich freier Jche durch das
freie Ich; er kam zwar, wie sogleich gezeigt werden soll, zu
einem etwas verschiedenen Resultat, aber die Freiheit war auch
ihm die Basis und das Ziel des Rechts. Er bedurfte zur Be-
gründung seiner Lehre nicht eines höchsten Grundsatzes der Moral,
seine rein logische Deduction führte ihn zu einem außerhalb der
Moral liegenden Rechtsprinzip. Fichte sind die Rechtspflichtcn
gleichfalls Zwangspflichten: doch die Rechtssphären der Einzelnen
erst vertragsmäßig festzusetzen.
<0 Auch Hegel faßt nach §§. 03. 94. seines Naturrechts die
Nechtspflichten als Zwangspflichten auf, und seine Deduction des
Zwangs ist im Wesentlichen von der kantischen nicht verschieden.
Denn der rechtlich begründete Zwang ist nach ihm nur die Ne-
gation der Negation des Rechts, also selbst Recht. Doch hält es
Hegel „für verkehrt," das abstracte oder strenge Recht sogleich
von vorn herein als ein Recht zu definiren, zu dem man zwingen
dürfe, denn dieß „hieße es an einer Folge auffaffen, welche erst
im Umwege des Unrechts eintrete." —
Dieß wußten aber die früheren Naturrechtslehrer auch. Es
scheint also, daß Hegel in dem Rechtsprinzip selbst das Moment
des Zwangs nicht ausgenommen wissen will, was von seinem
Standpunkte aus darum ganz consequent wäre, weil das Recht
nach diesem nicht zunächst als etwas Subjektives, sondern eine
durch den allgemeinen Willen gesetzte Freihcitsordnung erscheint,
welcher der Einzelne sich zu unterwerfen hat und wirklich un-
terwirft.
<0 In der Krause'schen Rechtsphilosophie tritt der Zwang
gleichfalls etwas in den Hintergrund, doch ist es derselben gewiß
gemäß, alles durch die Rechtsidee für die Verwirklichung des
göttlichen Willens in der Gestaltung der socialen Verhältnisse
Gebotene für erzwingbar zu erklären.
e) Von größter Bedeutung mußte das Moment des Zwangs
im Stahl'schen Rechtsbegriffe sein. Und dennoch soll nach Stahl
der Zwang nicht der primäre Character und kein Criterium des
Rechts sein; das erste nicht aus demselben Grunde, aus welchem

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