Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Koenigswarter, Sources et monument« du droit fran^ais.

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wie das alte französische Recht mit dem germanischen zusammen-
hing. Freilich durfte er auch diese Ahnung gar nicht haben, wenn
er nicht eine Art Hochverrath an der sogenannten nationalen
Idee, an der „mission civisiiisatrice“ und ähnlichen Phrasen
verüben wollte, mit denen man sich noch heutigen Tags gegen-
seitig in die Höhe zu schrauben sucht.
In Erwägung der großen Fortschritte, welche die Wissenschaft
seit etwa 20 Jahren gemacht, hat sich nun Herr Königswarter
die Aufgabe gestellt, ein Verzeichniß derjenigen Bücher zu liefern,
die für die Geschichte des Privatrechts bis zur officiellen Redaction
der Coutumes im 15. Jahrh. von Interesse sind. Er gruppirt
die betreffenden Werke nach ihrem Inhalte, bringt sie unter die
entsprechenden Rubriken, begleitet sie hie und da mit kürzeren
oder längeren Anmerkungen und führt unter 285 Nummern so
ziemlich vollständig alles an, was für diese Periode der Geschichte
des französischen Civilrechts von Bedeutung ist. Jedem der
constituirenden Elemente, dem keltischen römischen und germa-
nischen weist er seine gehörige Stelle an. Wie gründlich und
selbständig er hiebei verfährt, sieht man unter anderem daraus,
daß er p. 42 unter der Rubrik „element barbare“ sogar des brei-
teren auf das »Element scandinave“ zurückkommt, die Gragas, das
See-, Jüt- und Gothländische Recht citirt, ein wahres germani-
stisches Kalifornien, dessen Nichtbesuch man mit Dupin (in sei-
nem dem Buche vorgedruckten Briefe) dem guten alten Camus
freilich am wenigsten zum Vorwurfe machen kann. Fast möch-
ten wir Herrn Königswarter Vorwürfe darüber machen, daß
er dem keltischen Elemente, worüber er doch so starke Studien
gemacht und über dessen Uebergang in das Römische noch
sehr interressante Untersuchungen anzustellen sind, nicht ein grö-
ßeres Relief gegeben; daß er nicht auch Mo ne, Leo, Brosi
und die ganze so äußerst bedeutende keltische Literatur Deutsch-
lands wenigstens dem Namen nach bei den Franzosen eingeführt
habe; nur Dieffenbach ist bereits in Frankreich und noch mehr in
England eingebürgert. Ueber mancherlei Behauptungen ließe sich
mit dem Verfasser rechten. Wenn er z. B. p. 88 sagt, der Li-
ber feudorum habe im eigentlichen alten Frankreich snbsidiäre
Geltung gehabt, so ist dieß eine Thesis, von deren Richtigkeit
sich wenigsten Referent nie überzeugen konnte, und die durch
die bloße Autorität eines Cnjacins oder Molinäns noch lange

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