Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Otto, de Atheniensium actionibus. 533
lichem Recht, to extra fas esse. Sie lag im Atheismus und
der Häresis (dort verehrt man und glaubt man an keinen
Gott; hier führt man ohne staatliche Genehmigung fremden
Götterdienft ein); in der Verletzung und Veröffentlichung
der Mysterien, denn die Publikation derselben stand einer Pro-
fanation, einer Entweihung gleich; in der Verletzung der
res sacrae, z. B. der Hermen und der der Athene geweihten Oel-
bäume; im Vatermord; in dem Verderb und der Entsittlichung
der Jugend (hier finden wir einen Sokrates und die üppige Buh-
lerin Phryne auf gleiche Linie gestellt, ein und desselben Verbre-
chens bezüchtigt); — b) die UpoauXior oder das sacrilegium,
z. B. Beraubung, Verwüstung, Entweihung der Tempel, auch
seitens dessen begangen, der Betende aus den Tempeln reißt,
wie denn solcher Frevel die göttliche Rache unmittelbar herabbe-
schwor und ein solcher Falt der Fluch Griechenlands wurde, indem
der sein Mark zerstörende Peloponnesischc Krieg dadurch zum Aus-
bruch kam. Man sieht übrigens, daß die Begriffe und kpo-
ouJ.a sowenig eine scharfe Scheidung zulassen wie unter den welt-
lichen Verbrechen Prodosie und Hochverrath; — c) Tödtung,
mochte sie nun absichtlich (I •/. ~ p o v o {sc; oder e•/.o 6 3>. 0; 9ovo
oder unabsichtlich («xo'jsio; 9.) geschehen sein, forderte die Rei-
nigung vom Blute des Erschlagenen, die Aussöhnung der Götter
durch ein Opfer; weßhalb auch, wenn Thiere oder unorganische
Dinge ohne menschliche Vermittlung den Tod, mithin kasuell, ver-
ursacht hatten, dieses nicht zurechnungsfähige Werkzeug durch die
Priester nach Beendigung der gerichtlichen Untersuchung über die
Gränzen Attika's geworfen wurde, um die Erde vom Blute zu
reinigen; weshalb ferner die todbringende Hand des Selbst-
mörders abgchauen und abgesondert beerdigt wurde. Die
weltlichen Strafen jedoch waren bei der absichtlichen und un-
absichtlichen Tödtung natürlich verschieden; dort sühnte der Mör-
der selbst mit seinem Leben die That, falls er nicht durch frei-
willige Verbannung dem Urtheil zuvorkam; hier hing das Ver-
bleiben des Thäters im Staat nur von der Verzeihung der Ver-
wandten des Erschlagenen ab. Es gab indeß Umstände, die als
justae causae selbst die absichtliche Tödtung straflos stellten. Da-
hin gehörten: Tödtung eines Unbekannten zur Kriegszeit, eines
Räubers, eines bei der Frau, Mutter, Tochter, Schwester oder
ächten Conkubine ertappten Ehebrecher's. Entschuldigt war die

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