Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

524 Solly, Grundsätze des Englischen Rechts.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den verschiedenen
Rechten an Grundstücken. Hier werden auch jene merkwürdigen
Baupachtrechte, ^buildingleaseholds“ (gewöhnlich auf99Jahre)
besprochen. S. hierüber meine „Nationalökonomischen Bilder"
S. 143.
Das fünfte Kapitel handelt vom Erbrechte. Hier greift der
Unterschied zwischen real und personal property am Tiefsten ein.
Der Verf. zerlegt daher seine Darstellung in 3 Abtheilungen:
A. Von der gesetzlichen Erbfolge in Grundstücke vor dem
Parlamentsschluß 3, 4 Wilhelms IV. c. 106.
B. der Parlamentsschluß 3, 4 Wilhelms IV. c. 106.
C. Theilung des beweglichen Vermögens bei der gesetzlichen
Erbfolge.
Das Recht der Erstgeburt in England wird bei uns oft
falsch aufgefaßt. Der Besitzer eines Freilehns kann seinen Grund-
besitz durch letztwilligc Verfügung hinterlassen, wem er will, sei-
nem jüngsten Sohn, einer Tochter, ja selbst einem Fremden, ohne
daß irgend Jemand einen Einwand dagegen erheben kann. Nur
wenn der Erblasser ohne letztwillige Verfügung stirbt, tritt die
ausschließliche Erbfolge des Erstgebornen in Grundstücke ein.
Das Jntestaterbrecht kommt jedoch practisch in England sehr sel-
ten zur Anwendung, da fast Jedermann von einigem Vermögen
eine letztwillige Verfügung oder eine Familienstiftung zu machen
pflegt. Bis auf den erwähnten Parlamentsbeschluß unter Wil-
helm IV. galten im englischen Erbrecht noch viele Härten, welche
aus der Zeit des starren Feudalismus stammten und als durch-
aus unzeitgemäß erschienen, so ;. B. daß Ascendente» nie zur
Succession berufen werden konnten (quod hereditas nunquam na-
turaliter ascendit), ferner daß in Ermangelung von Nachkommen
in gerader Linie nur diejenigen Seitenverwandten berufen wur-
den, welche von dem ersten Erwerber in gerader Linie abstamm-
ten — ein Satz, gegen den man sich nur dadurch helfen konnte,
daß man ausdrücklich ausmachte, das leudum novum solle gerade
so wie ein feudum antiquum vererbt werden. Als eine solche
Härte muß auch die Ausschließung aller halbbürtigen Seiten-
verwandten betrachtet werden. Der Parlamentsbeschluß hat diese
Härten beseitigt, jedoch den Vorzug des männlichen Geschlechts
und das Recht der Erstgeburt bestätigt. Dieß gilt jedoch nur für
die Erbfolge in Grundeigenthum; bei der Erbfolge in beweg-

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