Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

63. Solly, Grundsätze des englischen Rechts über Grundbesitz, Erbfolge und Güterrecht der Ehegatten

Solly, Gmndsätze de- Englischen Recht-. 521
Grundsätze des Englischen Rechts über Grundbesitz, Erbfolge und Güter-
recht der Ehegatten. Von Thomas Solly, Barrister at law of the Middle
Tcmple und Lector der Englischen Sprache an der König!. Universität zu
Berlin. Berlin 1853. Bei Th. Ehr. Fr. EnSlin.
England in seiner großartigen staatlichen und wirthschaftli-
chen Entwickelung zieht die Aufmerksamkeit der Continentalen, be-
sonders der Deutschen seit langer Zeit mächtig auf sich. Die
Staatsverfassung, der Civil- und Criminalproceß sind von deut-
schen Landsleuten mannigfach und nicht ohne Erfolg bearbeitet
worden. Nur das geltende englische Privatrecht ist ein von
uns Deutschen noch ungepflügter Acker. Ich meine damit das
Privatrecht der Gegenwart, denn um das alte angelsächsische
Recht und das Recht des Mittelalters haben sich ja manche deut-
sche Juristen, wie z. B. Reinhold Schmid und Phillips Verdienste
erworben. Aber kein mir bekanntes deutsches Werk führt nur
einigermaßen gründlich in das gegenwärtige englische Privat-
recht ein und dennoch ist die Kenntnis! desselben nicht nur für die
Bertrtheilung englischer Zustände unentbehrlich, sie würde auch
für die vergleichende Jurisprudenz von hohem Interesse sein.
Aus germanischer Wurzel erwachsen, hat daS englische Recht eine
viel selbstständigere Entwickelung durchgemacht, als unser deut-
sches Privatrecht, welches vom übermächtigen Einfluß deS römi-
schen Rechts zurückgedrängt wurde und selbst da, wo es sich eini-
germaßen behauptete, manche Modificatione» erfuhr. Keine von
den Nationen, welche auf römischem Boden neue Reiche begrün-
deten, hat sich in ihrer Rechtsentwickelung so frei von römischem
Einfluß gehalten als die englische; in keinem dieser Länder ist die
Geltung des römischen Rechts durch das ganze Mittelalter so un-
tergeordnet geblieben wie in England. Für den Germanisten ist
daher, abgesehen von den nordischen Rechten, keine Rcchtsentwicke-
lung so interessant als die englische. Aber der Zugang zu den
englischen Rechtsquellen und Rechtswerken ist sehr schwierig. Das
englische Privatrecht ist in keiner größeren Partie codificirt; Vie-
les beruft auf Gewohnheitsrecht, ^common law," Vieles auf dem
Statutenrecht, „statuie law,“ d. h. den zahlreichen einzelnen sich
auf Gegenstände des Privatrechts beziehenden Parlamentsbeschlüs-
sen. Es kann ein Jurist deutsches und römisches Recht gründlich
kennen, kann damit eine genaue Kenntniß der englischen Sprache
verbinden und dennoch wird er sich in dem Chaos der eng-

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