Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Wh ea ton, Elements da droit international.

Seinen Gestaltnngen des neueren Völkerrechtslebens einzugehen, desto
rascher muß es veralten, wenn es so weit.hinter der Gegenwart
zurückbleibt.
Ist überhaupt den Wheaton'schen Elementen ein langes Leben
zu prophezeien? Sie werden eine Zeit lang in Curs bleiben, weil
es an einem ähnlichen Buch fehlt, das die englisch-amerikanische
Praxis darlege. In den Principien aber, in der juristischen Auf-
fassung sind die Elemente so schwach, daß ihnen die eigentliche
Vitalität abgeht.
Diese Schwäche ist auch nicht durch die vielen und beträcht-
lichen Veränderungen gehoben worden, die die französische Aus-
gabe von 1848 gegen die erste englische von 1836 zeigt. Durch
jene Veränderungen hat das Buch eben nur an Vollständigkeit
gewonnen. Die Mangelhaftigkeit in der juristischen Bewältigung
des Stoffs, namentlich in der Auffassung der Grundbegriffe, ist
dieselbe geblieben. In manchen Fällen sielen die Zusätze entschie-
den unglücklich ans. Von dieser Art ist die Bemerkung S. 22
am Ende: „los rapports entre les nations elaiont appeles jus gen-
tium par lo>s jurisconsultes romains, el dans toules les langues mo-
dernes de l’Europe, e.xeeptö la langue anglaise, on donne ä ces
rapports le nom de droit des gens ou des nations. Cependant le mot
gern, derive du latin, ne signilie en fran^ais ni peuple ni nation.“
Es folgt dann die in andrer Fassung schon in der englischen Ausgabe
von 1836 enthaltene Bemerkung, die englische Bezeichnung law ok
nations sei besonders nnpaffend, da das Völkerrecht kein law, kein
von einer höheren Gewalt gegebenes Gesetz sei. Man fragt
sich verwundert: wenn das franz. gens dort nicht Völker oder
Nationen bedeutet, was bedeutet es dann und wie kommt droit des
gens zu der Bedeutung Völkerrecht, die es doch wirklich hat?
Gewöhnlich heißt les gens allerdings nicht die Völker, sondern
die Leute, namentlich die Dienstlente. Meinte etwa Wheaton in
der That, daß dr. des gens eigentlich nur Bedienten- oder Dienst-
recht heiße? Man möchte es beinahe glauben, wenn man ihn,
den amerikanischen Juristen, behaupten sieht, das engl, law be-
deute nur „Gesetz," nicht auch „Recht." Sollte er nie vom Com-
mon law Englands gehört haben? Welche Confnsion in den ein-
fachsten Dingen!
Jena.

E. v. Stockinar.

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