Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Savigny, das OVltgationenrecht.

es uns, wie mir scheint, wirklich, wenn wir bedenken, daß ihm
der Gedanke zu Grunde liegt: eine naturalis obligatio ist
da anzunehmen, wo es unbillig wäre, deshalb, weil
der Gläubiger eine Klage gegen den Schuldner nie
gehabt, oder verloren hat, die Gewährung oder
Unterlassung der Leistung als völlig der Willkiihr
des Schuldners anheim gegeben zu denken. Die natu-
rales obligationes zwischen den durch Hansgewalt Verbundenen
haben eine ganz eigenthümliche Natur und Grundlage, wie dies
auch L. 49 §. 2 de peculio andeutet. Aber alle andern lassen
sich nach meiner Ueberzeuguug ungezwungen auf diese Regel zu-
rückführen, und es läßt sich aus ihr auch ebenso mit Sicherheit
ableiten, daß der formlose Vertrag (nach N. R.) eine naturalis
obligatio erzeugt, wenn man auch alle von dem Hrn. Vers, dafür
geltend gemachten dierekten Zeugnisse beanstanden zu müssen glaubt.
Zwar halte ich stets fest, daß wir als naturalis ralio und
aequitas bei unserer Frage nur ansehen dürfen, was erweislich
den Römischen Juristen dafür galt. Erwägt man aber, daß diese
anerkannten, in allen Contrakten, namentlich auch in der Stipu-
lation, sei das eigentlich obligirende Moment eben der consensus
(L. 1 §. 1 de pactis), erwägt man, daß vier der allerwichtigsten
und häufigsten Contrakte auch nach dem jus civile durch den blo-
ßen Confens perfekt wurden, erwägt man ferner, daß unter Um-
ständen selbst die Pollieitation im Römischen Recht als civiliter
verpflichtend galt, daß im Lauf der Zeit immer häufiger formlose
Verträge wenigstens honorariae actiones erzeugten, daß so früh-
zeitig schon das pactum hypothecae selbst ein dingliches Recht be-
wirkte, daß auch bei der Tradition als Eigenthumsübertragung
schon von Alters her der Consens als daö eigentlich Wirksame
galt, daß ebenso nach einem uralten Satz consensus nuptias facit
U. s. f., so ist es gewiß keine zu kühne Annahme, wenn man sagt:
die Römischen Juristen mußten es unbillig finden, wenn die durch
ein nudum pactum versprochene Leistung darum, weil das jus ci-
vile und honorarium dem, welchem sie versprochen worden ist,
keine Klage darauf gibt, als Etwas angesehen werden sollte, was
lediglich vom guten Willen des Versprechenden abhänge. Nur
gebe ich allerdings zu, daß man dabei eine vom Recht gebilligte
materielle causa debendi (nicht z. B. also eine übermäßige Schen-
kung inter personas non exceptas) voraussetzen muß. Und aus

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