Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Savtgny, das Obltgationenrecht.

eröffnet der Hr. Verf. im §. 9. mit einem solchen, wobei die
Klaglosigkeit ihren Grund in mangelhafter Form bei Begründung
der Obligation habe, dem Fall der Abschließung eines Vertrags
in Form des nudum pactum da, wo eine Stipulation erforderlich
gewesen wäre. Da ich auf diesen sehr bestrittenen Fall nach
meiner Ansicht von demselben nur in einem erst später zu be-
rührenden Zusammenhang näher eingehen kann, so wende ich
mich hier sofort zu der zweiten Klasse von Fällen — Klaglosig-
keit wegen mangelhafter Rechtsfähigkeit oder Handlungsfähigkeit
(§. 10.). Hier habe ich gegen den unter Nr. 2. aufgeführten:
„Rechtsverhältnis' zwischen Vater und Sohn" nur einzuwenden,
daß ich bei diesen naturales obligatum«« nach dem, was ich in
meinen Beiträgen S. 234 ausgeführt habe, den Grund der Klag-
losigkeit nicht in mangelnder Rechtsfähigkeit des filius familias, son-
dern uur darin finden kann, daß die völlige Unterwerfung einer
Person unter das jus eines Andern eine obligatio zwischen ihm
und dem Gewalthaber, also ein Verhältnis', wobei seine „Freiheit"
diesem gegenüber erweitert oder beschränkt werden sollte, mit
Nothwendigkeit ausschließt, so daß eben auch eine naturalis obli-
gatio unter ihnen nur insoweit denkbar ist, als von dem Gewalt-
verhältniß ganz abgesehen wird, wie dieses nun in der That ge-
schieht, insofern das peculium eines filius familias als proprium
patrimonium desselben behandelt wird. Und nur in diesem Zu-
sammenhänge ist sa von naturales obligationes zwischen gewalt-
verbundenen Personen die Rede.
Länger verweilen muß ich bei dein unter 5. aufgeführten:
„Verpflichtung eines Unmündigen ohne die auctoritas des Vor-
mundes."
Der Hr. Verf. geht hier von einer allgemeinen Betrachtung
über die Handlungsfähigkeit der Unmündigen in Beziehung auf
Obligationen aus.
Nach dem jus gentium, sagt er, könne es blos auf den per-
sönlichen Entwicklungszustand des Einzelnen ankommen, ob er
Schuldner werde oder nicht, welche Regel auch bei den Obli-
gationen aus Delikten und bei den Geschäftsobligationen aus
einem Dolus feftgehalten worden sei.
Für andere Geschäftsobligationen nun habe das jus civile
einen künstlichen Schutz eingerichtet durch Unterordnung der Un-
mündigen unter einen Tutor, welche mit der Pubertät aufhöre,

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