Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Giriert, über bar Wesen und die Ferm der Literalcontracis. 489
zu schaffen macht, und in den er so viel hineinlegt, was gar nicht
darin ist, entstanden ist. Man war bei der Umarbeitung des Gajus
bis an den Abschnitt von den Literalcontracten gekommen. Man
wollte sich nicht gern damit begnügen, blos zu berichten, daß es
heutzutage weder den alten speeifisch römischen, noch den neuern
specisisch nichtrömischen Literalcontract mehr gebe; man sah sich
im Systeme des damals geltenden Rechts um, ob denn gar nichts
eriftire, was mit einem Literalcoutracte Aehnlichkeit habe. Wie
es auch unseren heutigen Juristen noch geht, so ging es denn auch
damals den Verfassern der Institutionen: „Wer sucht, der findet."
Ob passend, oder nicht passend, man fand; man sah in der eigen-
thümlichen Lage, in der sich der Aussteller eines Empfangsbckennt-
nisses o hne Stipnlationsklansel befindet, welcher das, was er
empfangen zu haben, und deshalb (ex conlractu reali) schuldig
zu sein bekannt hat, in Wahrheit gar nicht empfangen hat, gleich-
wohl aber die Anfechtung seines Bekenntnisses versäumte, eine
Literalobligation. So war die Vollständigkeit des Systems ge-
rettet und man war zufrieden, und ahnte gewiß nicht, daß noch
nach mehr, als einein vollen Jahrtausend diese wissenschaftliche
Spielerei so viel Kopfzerbrechens verursachen könnte. Tiefen ge-
wiß richtigen Hergang der Sache hat denn Einert lediglich durch
seine vorgefaßte Meinung über die Eristcnz eines Literalcontracis
gänzlich verkannt und verkehrt. Während die Jnstitutionenver-
fasscr ganz offenbar die Intention haben, einen Literalcontract
da hinzucvnstruircn, wo in der Thal weiter gar nichts ist, als
eine durch Fahrlässigkeit oder Verzicht unanfechtbar gewordene
Beweisnrknnde über einen Realco nir act, so sieht er in dieser
Stelle die umgekehrte Intention, einen Literalcontract da gänzlich
wegzudisputircn, wo er in der Thal eristire, und nur durch ein
höchst singuläres Rechtsmittel angreifbar sei. Diese ganze Stelle
ist so wenig ein Beweis für die Eristcnz eines Literalcontracis,
Wie ihn Einert im Sinne hat, daß gerade nur der, welcher
von vornherein die feste Ucberzcugung hat, daß er cristirt, und
welcher diese Ucberzeugung selbst auf die Gefahr hin, die Jnsti-
tutioncnverfaffer für absolut konfus zu halten, nicht aufzngcben
entschlossen ist, eine Anerkennung dieses Rechtsinstituts in dieser
Stelle finden kann. In dieser Lage befand sich aber Einert,
indem er die Stelle zu lesen und zu übersetzen versuchte. Statt
die Worte: si quis debere se scripserit, quod sibi numeratum non

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