Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Einert, über das Wesen nnd die Form des LiteralcantraetS. 487
welche wir für die allein richtige halten (S. Gneist a. a. O.
S. 198 u. f.), spricht diese Stelle blos von Stipulationsurkunden,
weil bei anderen einfachen Schuldscheinen gar keine Veranlassung
zu einer condictio indebiti oder sine caussa, oder zu einer exceptio
vorhanden ist. Nimmt man aber mit Eropp, Liebe und Eig-
ner t die Eristenz einer lilerarum obligatio aus einfachen Schuld-
scheinen an, so kann auch nicht einen Augenblick gezweifelt wer-
den, daß dasselbe, was hier von Stipulationsurkunden gesagt ist,
noch viel mehr von Schuldscheinen ohne die verborum sollennitas
gelten muß, d. h. daß auch sie, wenn sie cautiones indiscretae sind,
niemals den Inhaber von der Last, die caussa debendi ander-
weit zu erweisen, entheben. Tenn daß in dieser Stelle von der
auf naturalis aequitas beruhenden perpetua, actio, welche technisch
condictio indebiti oder sine caussa heißt, nnd von der ihr ent-
sprechenden exceptio doli generalis oder in lactum, und nicht etwa
von dem auf kaiserlichen Constitutionen beruhenden temporale be-
neficium , welches technisch exceptio und querela non numeratae pe-
cuniae genannt wird, die Rede ist, darüber kann nach dem ganzen
Zusammenhänge offenbar gar kein Zweifel erhoben werden, und
ist auch, so viel wir wissen, niemals ein Zweifel erhoben worden.
Wie Einert bei einer Abhandlung über den Literaleontraet diese
Stelle unbesprochen lassen konnte, ist schon an sich unerklärlich;
völlig unverantwortlich erscheint aber die Nichtberücksichtigung die-
ser Stelle gerade deshalb, weil Einert selbst die Ansicht auf-
stellt (S. pag. 31 und pag. 3GJ, daß nach römischem Sprachge-
brauche unter cautiones keine bloßen Beweismittel, sondern viel-
mehr die Formal contracte, und vorzugsweise gerade das,
was er den Literaleontraet nennt, zu verstehen sei.
Sehen wir uns nun in Einert'6 Ausführungen nach Quel-
lcnzengniffen um, die wenigstens dann, wenn eine Nichtkenntniß
so klarer Belege des Gegentheils verziehen werden könnte, einen
Schein der Wahrheit für Einert's neue Theorie zu erbringen
vermöchten, so sind cs bei Lichte besehen nur folgende drei Stel-
len, aus denen er argumentirt: 1) Der §. 134 lib. III. aus Gaj.
Comm.3); 2) der Inftitutionentitcl de literarum obligationibus;
3) Die Stelle lautet: Praeterea literarum obligatio fieri videtur chirogra-
phis et syngraphis, id est, si quis debere sc, mit daturum se scribat: ita scili-
cet, si eo nomine stipulatio non fiat, quod genus obligationis proprium peregri-
norum est.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer