Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

484 Etnert, über dar Wesen und die Form de- Ltteralconiract-.
schon in Folge einzelner staatsrechtlicher Acte solche Verbindlich-
keiten für den Fiscus oder eine andere öffentliche Kasse ent-
sprangen.
Gehen wir nun nach dieser Uebersicht deS Inhalts etwas
näher auf eine Prüfung und Beleuchtung des ersten Theiles ein;
er ist insofern offenbar als der eigentliche Kern der ganzen Ab-
handlung zu betrachten, als gerade erst durch das Resultat die-
ses ersten Theils für die historische Hypothese des zweiten TheileS
ein Grund, und für die Vergleichung im dritten Theile ein Ob-
ject geschaffen wird. Für das Publikum dieser Zeitschrift werden
nur wenige Bemerkungen genügen, um zu zeigen, daß jenes Er-
gebniß einer Jntergration der Quellen des römischen Rechtes nur
ein Verdienst, das der absoluten Neuheit und Originalität
besitzt, daß es aber auf nichts so wenig, als auf das Verdienst
der Wahrheit Anspruch machen kann, und daß somit sowohl der
Grund für die Hypothese, als auch das Object für die Ver-
gleichung in ein Nichts zusammenfällt.
Daß jenes Resultat absolut neu ist, wird Niemand, der mit
der Literatur über diesen Gegenstand: Literalcontract und querela
non numeratae pecuniae, vertraut ist, in Abrede stellen können.
Der ausführlichste Schriftsteller über diesen Gegenstand, der schon
oben citirte Gneist, hat wenigstens auch nicht einen Schrift-
steller angeführt, welcher die Anwendung der querela non nume-
ratae pecuniae gegen Darlehns empfangsbekenntnisse geleugnet
hätte. Die wenigen Schriftsteller, welche wenigstens darin mit
Ein ert übereinftimmen, daß sie die Eristen; eines rein for-
mellen Literalcontractes neben der Stipulationöurkunde als
ein justinianisch-römisches Rechtsinstitut zu deduciren versuchten,
es sind namentlich Cropp (Juristische Abhandlungen. Hamburg
1827. Bd. I. S. 325—361) und Liebe (Die Stipulation. Braun-
schweig 1840. S. 25 und 26); diese wenigen Schriftsteller bilden
wenigstens insofern noch einen schneidenden Contrast zu Einerts
Theorie, als sie auch nicht den leisesten Zweifel darüber sagen,
daß der Gläubiger aus einem solchen Literalcontracte immer,
und nicht blos innerhalb der zweijährigen Frist von dem Schuld-
ner zum Beweise der materiellen caussa debendi genöthigt
werden kann. Es gilt ihnen als eine völlig ausgemachte Sache,
daß der Klage aus dem einfachen, keine materielle caussa ent-
haltenden Schuldscheine eine perpetua exceptio opponirt werden

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