Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

456 Hy r, das östmeichifche Strafgesetz.
Gewalt dem Thäter nicht nur die Handlung selbst, sondern auch
Pie Art der Ausführung nach einer sichern Richtung eingegeben
habe, während doch bei den Monomanien n. s. w. nicht ein be-
wußtes Ausgehen auf concrete Handlungen, sondern blos Befrie-
digung eines völlig unklaren Instinktes zu unterstellen ist. Die
inania sine delirio (S. 194) hätte, da sie bekanntlich ein von vie-
len Seiten contestirter Begriff ist, wohl einer näheren Prüfung
gewürdigt werden sollen.
Eine Eigenthümlichkeit der österreichischen Jurisprudenz ist die
Unterscheidung zwischen „Theilnahme" und „Theilnehmung", welche
letztere nach des Verfassers Meinung (S. 236) die nachgefolgte
Betheiligung ausdrückt. Die Entwicklung der Concurrenz der
Derbrechen ist übrigens wieder den besten Theilen des Werkes
beizuzählen (S. 226 bis 271); nur hätte die Lehre vom Com-
pkott (S. 255) ausführlicher entwickelt werden dürfen. Eine
höchst anziehende Untersuchung über das Verhältniß des Verfas-
sers, Verlegers, Druckers u. s. w. bei literarischen Erzeugnissen
reiht sich hieran (S. 272 bis 286) und es verdient gewiß Bei-
stimmung, wenn der Verfasser S. 278 sagt: „Der Staat darf
sich nicht damit begnügen, daß wegen einer vorgefallenen straf-
baren Handlung nur überhaupt Jemand, sei es wer immer, etwa
auch ein Stellvertreter des Schuldigen oder bei mehreren Mit-
schuldigen nur Einer derselben bestraft werde, sondern er hat alle
Schuldigen (zugleich) zur verdienten Strafe zu ziehen."
Einen wichtigen Beitrag zu der Geschichte der Strafarten
Hiebt der Verfasser anschließend an die §§. 12 bis 24; wobei
übrigens die für Wiedereinführung der körperlichen Züchtigung
(S. 394 vergl. S. 399 An.) vorgebrachten Gründe von Manchen
nicht als überzeugend anerkannt werden dürften.
Endlich sei noch erlaubt, auf die Abschnitte von der Compu-
tation der Strafen (S. 451 ff.), von den Graden der Willens-
stärke (S. 555 ff.) und von dem Verhältniß des Strafgesetzes
zum Auslande (S. 545 ff.) hinzuweisen.
Bei dem großen Reichthum an Beispielen, die dem Verfasser
Überall zu Gebote stehen, darf man mit erhöhter Spannung der
demnächst folgenden Erläuterung der einzelnen Verbrechen entge-
gensehen, und es wird daher wohl erlaubt sein, beim Abschlüsse
des Werkes in diesen Blättern noch einmal darauf zurückzukommen.
Dr. Ludwig von Jagemann.

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