Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Btenrr, da» englische Geschwornengrricht.

political and judicial Institution ein guter Bundesgenosse sein. Nur
möchten wir uns hier kurz gegen den Ausgangspunkt erklären,
der Bieners Thätigkeit auf das Studium der englischen Jury
gelenkt hat, und den er in seinem neuesten Werke §. 31 wieder
ins öffentliche Gedächtniß ruft. Wir meinen nämlich seine An-
sicht, daß das Jnquisitionsprinzip die Grundlage des englischen
Geschwornengerichts sei. Wir können uns vorstellen, daß ein
Leser, der mit den früheren Arbeiten Bieners über diesen Ge-
genstand nicht bekannt wäre, und nach der historischen Entwicke-
lung, wie sie Bien er in den 30 ersten Paragraphen gegeben,
an diesen §. 31. gelangte, seinen Augen nicht trauen würde, so wenig
harmoniren hier Prämissen und Schluß. Köstlin, der bekanntlich
die Civiljury in den Wind schlägt, mag allerdings allerlei plau-
sible Gründe für dieselbe Meinung haben, aber wie Biener, der
jenen wegen seiner Jgnorirung der Eiviljury so oft und so herb
tadelt, zugleich noch immer an seinem alten Ausspruch festhalten
kann, ist schwer zu begreifen. Uebrigcns hat uns der angezogene
8. den Eindruck gemacht, als wenn die Ueberzeuguug des Verfas-
sers doch etwas wankend geworden. Eine so gekünstelte Argumenta-
tion, als sie sich z. B. auf S. 272 in Betreff des in der Civil-
jurp liegenden Jnquisitionsprincips findet, möchte schwerlich An-
dere überzeugen. Bei einem in seinen Grundlagen und Anfängen
ganz klaren Institut wird ein einziges untergeordnetes Moment,
daß die Partheien nicht dem Richter unmittelbar durch Zeugen
die Beweise ihrer Behauptungen führen, zur bestimmenden Grund-
lage des Ganzen gemacht.
Das englische Werk, worauf wir neben Biener aufmerksam
machen, kann sich an Fülle des Stoffs keineswegs mit der deut-
schen Arbeit messen, ist jedoch unabhängig von derselben und
selbst die früheren Schriften Dieners scheinen dem Verfasser, der
sonst in deutscher Literatur wohl belesen ist, unbekannt geblieben
zu sein. Der Gang der Untersuchung ist nicht wesentlich ver-
schieden. Au eine Aufführung und vorläufige Beseitigung ande-
rer Meinungen knüpft der Verfasser seine Darstellung der histori-
schen Entwicklung der Jury, gibt alsdann eine Schilderung der
hervorragenden Punkte des Verfahrens mit Geschworuen in Civil-
und Criminalsachen, und schließt nach einer Darstellung des schot-
tischen Geschwornengerichts, der Jury auf der Insel Jersey und der
Einführung des Instituts in Frankreich und Deutschland mit dem

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