Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Günther, der Konkurs der Gläubiger.

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Liberirung eines Schuldners, der selbst dons fide an den Cridar
Zahlung leistet, — Nichtigkeit eines von dem Cridar seinem
Schuldner bewilligten Erlasses der Schuld rc.
Diese und ähnliche einzelne Erscheinungen erklären sich aller-
dings am einfachsten aus der in vorliegender Schrift dem deut-
schen Rechte zugeschriebenen Grundansicht, doch würde damit der
Cridar, besonders wenn er Zurist wäre, keinesfalls einverstanden
sein, wenn nicht der Vers, dieses Eigenthum der Konkursgläubiger
mit einigen Modifikationen begränzt hätte, nämlich daß die Kon-
kursgläubigcr das Vermögen des Cridars nur zu dem Zwecke
vollständigster und geregelter Tilgung der Schulden des letzteren
erhalten, und daß ein etwaiger Rest des schuldnerischen Vermö-
gens in das Eigenthum des Schuldners zurückkehren muß. Eher
hätte man es sich auch nach heutigem gemeinen Rechte gefallen
lassen können, wenn der Vers, als Rechtstitcl für den Ucbergang
des Besitzes des schuldnerischen Vermögens auf die Kreditorschaft
das m and nt ui» in rem siiam genannt hätte. Tie Annahme
dieser causa erklärt wohl am befriedigendsten, daß erstens der
Cridar die Gefahr der Masse trägt, zweitens ungeachtet er
dominus bleibt, doch nicht über letztere disponircu kann, und daß
drittens die Kreditoren selbst solche Rechte des Cridarö gel-
tend machen können, die durch eigentliche Cession nicht übertrag-
bar sind, z. B. Ususfrukt, litigiöse Forderungen.
Von obiger Ansicht des Verf. über das Grundprinzip des
deutschen Konkurses ist es dann freilich eine Konsequenz, wenn
der Verf. aus jenem Grundprinzip die dritte Hauptwirkung des
Konkurses, nämlich die sogenannte vis attradiva ableitet, d. h. die
Eigenschaft des deutschen Konkurses, vermöge welcher die gegen
den Gcmcinschuldncr anhängigen einzelnen Prozesse sistirt und
mit dem Konkursprozcsse vereinigt behandelt werden sollen. Wenn
nämlich wirklich das schuldnerische Vermögen in seinem ganzen
Umfange auf die Gesammtheit der Gläubiger übergeht, so müs-
sen — und darauf beschränkt der Verf. die vis attracliva — aller-
dings alle Ansprüche, hinsichtlich welcher Befriedigung aus der
Konkursmasse gesucht wird, in dem Konkursprozesse verhandelt
werden. Hinsichtlich solcher Ansprüche, in Betreff deren der Kläger
gegen den Schuldner, zu Folge vor dem Konkurse eingeleiteten
Beweisvcrfahrens, die Liquidation der Forderung zu begründen
hatte, fragt es sich, ob die Gemeinschaft der Konkursgläubiger

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