Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Delbrück, Me Uebernahme ftemder Gch»lden.^

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ein Vermögensstück unter Lebenden auf einen andern übertragen.
Wer behauptet, der Uebernehmer sei nur Stellvertreter des
Schuldners, der irrt, denn die Obligation zwischen Gläubiger
und Schuldner wird aufgehoben durch die Entlassung des Letz-
lern, es ist also von diesem Augenblicke an keine Vertretung
mehr möglich. Wer behauptet, Gläubiger und Uebernehmer
schlössen einen Vertrag, und dieser Vertrag sei Grund der Ver-
bindlichkeit des Letzter», der irrt, denn der einfachste Verstand
muß einsehen, daß Eingehen einer neuen Verbindlichkeit nicht
Uebernahme einer alten ist, daß das bestehen bleiben muß, was
ich übernehmen soll, daß Uebergang nicht Untergang ist. Die
Uebernahme ist also Succession, aber nicht in die Obligation,
denn das persönliche Band zwischen Gläubiger und Schuldner
d. h. die Obligation bleibt bis zur Entlassung des Schuldners
bestehen. Würde wahrhaft in die Obligation succedirt, so
müßte mit dem Augenblicke der Uebernahme der Schuldner be-
freit sein. Es muß also etwas anderes sein, was den Gegen-
stand der Succession ausmacht. Was dieses andere ist, lehrt
uns der Sprachgebrauch, es ist die Schuld. Wer behauptet,
daß Schuld und Obligation dasselbe seien, der irrt, denn es
ist gewiß, daß die Obligation durch Entlassung des Schuldners
aufgehoben wird, und daß dennoch die Schuld bestehen bleibt.
Entweder also sind Sprachgebrauch, Gewohnheit und Verkehr
Dinge, welche in der Rechtswissenschaft keine Bedeutung haben,
oder die bisherige Auffassung der Juristen ist irrig. Eine solche
Alternative ist aber in der That keine Alternative.
Die enggestellten Grenzen dieser Blätter gestatten dem Re-
ferenten nur noch wenige Worte. Ter Stoff, welcher hier
behandelt wird, ist wohl wcrth, in den Vordergrund der Rechts-
anwendung geschoben zu werden. Derselbe wimmelt von Schwan-
kungen, Zweifeln und Widersprüchen. Dieselben haben ihren
letzten Grund in dem immer wieder auftauchenden Kampfe
zwischen den Prinzipien deö römischen, und dem festgewurzelten
Elemente des einheimischen Rechtes. Dieser endlose Krieg macht
der deutschen Jurisprudenz eben keine Ehre, und erfüllt nach-
gerade den denkenden Praktiker mit Unlust und Trauer. — Die
Behandlung des Stoffs ist als sehr gelungen zu bezeichnen.
Die vielen Verweisungen und Rückverweisungeu, welche in dem
Werke Vorkommen, waren allerdings vermeidlich, stören jedoch
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