Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

24 Scheurl, Beiträge zur Bearbeitung des Rom. Rechts.
!n omnibus rebus, in quibus kactum personae operaevo sub-
stantis desideratur: I. 61. pr. de acq. U. dom. Insbesondere kön-
nen Erbschaften nicht besitzen, sie können nicht uti frui; Erbschafts-
sklaven können daher keinen Nießbrauch erwerben; bestehender
Besitz und Nießbrauch erlöscht mit dem Tode des Berechtigten.
Letzterer Punkt hat zwar nicht seinen Grund in der Unpersönlich-
kcit der Erbschaft, denn auch der necessarius hercs, an welchen
das Vermögen ohne eine Zwischenzeit der ruhenden Erbschaft
übergeht, setzt des Erblassers Nießbrauch nicht fort. Dennoch
aber beweist sich daraus, daß die Römer die ruhende Erbschaft
als die Person deS detiinctus nicht eigentlich fingirt haben, denn
diese Fiktion wäre dann die suristische Wahrheit des Fortlebens
des Erblassers, und, im Falle ein voluntarius heres Delat wäre,
müßte bis zu seiner aditio der Nießbrauch fortdaucrn.
Ebenso kann zwar ein Erbschaftssklave stipuliren oder durch
einen Dritten zum Erben eingesetzt werden, und es beinißt sich
gemäß der Repräsentationslehre die Gültigkeit beider Rechtsge-
schäfte nach dem commercium des Erblassers mit dem promis-
sor resp. testator, nicht nach dem des zukünftigen Erben mit dieser
Person; dennoch aber kann der Sklave sowenig wie die hereditas,
beide aus Mangel der Rechtspersönlichkeit, den eigentlichen In-
halt jener Rechtsgeschäfte für die Erbschaft realisiren, sondern
die A. ex stip. stellt erst der Erbe, wenn er adirt hat, an, und
rücksichtlich der dem Sklaven dcferirten Erbschaft sagt I. 61 cit:
quia adire jubentis domini persona desideratur, heres exspectandus
est.“ Der Nachdruck liegt hier allerdings zunächst auf jubentis,
aber auch auf persona. Die persona fehlt; nicht nur eine Person,
welche befehlen könnte, sondern die Persönlichkeit überhaupt. Denn
Personen, welche nicht eigentlich „befehlen"-können, weil sic bloße
Begriffe sind, also juristische Personen, können dennoch durch Stell-
vertreter das Erworbene für sich realisiren, das Deferirte erwer-
ben. Das Unterscheidende zwischen solchen Personen und der
Erbschaft kann also nur darin liegen, daß der letzteren die per-
sona in der That mangelt. Daraus folgt der weitere Unterschied,
daß Sachen der juristischen Person einen dominus in derselben ha-
ben, Erbschaftssachen nicht; dominus tamen hereditas habebitur,
pro domino est, indem diese Stücke dem Ganzen, soweit dessen
Unpersönlichkeit es zuläßt, zu dienen und für dasselbe zu erwerben
im Stande sind.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer