Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Brinz, kritische Blätter civilistischen Inhalts.

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von Ausnahmen unmittelbarer Stellvertretung die Rede sein. Was
Buchka aber anführt, ist thcils gar nicht Stellvertretung, theils
kann es nicht als unmittelbare Stellvertretung bezeichnet werden
(S. 23). Als solche erscheint dagegen allerdings, wenn auch der
Form nach nicht fertig, doch dem Gedanken nach die Tutel.
Völlig ausgebildet ist sie beim Darlehnskontrakt. Der Verfasser
erörtert hierbei die Frage, ob eine voluntas, oder was ihr gleich-
stehe, nothwendig sei, um aus einem fremden Kontrakt eine Dar-
lehnsforderung zu erwerben, und bejaht dieselbe nach einer ge-
naueren Untersuchung. Er geht daun zu dem Versuch Buchka's
über, den Satz der Unzulässigkeit unmittelbarer Stellvertretung
aus dem Wesen der Obligation zu erklären; er findet ihn nicht
überzeugend. Der Satz, daß man einem Andern nicht stipuliren
könne, ist ihm das Ergebnis' eines überall thätigen, auf be-
stimmte Formen drängenden und an diesen festhaltenden Bildungö-
triebes.
Weicht nun der Verfasser gleich in Anbetracht der römischen
Stellvertretung von Buchka und dessen Vorgängern ab — so
stimmt er, nach seinen eignen Aeußernngen, mit ihm in Anbe-
tracht des heutige» überein (S. 35). Und wenn er auch im
Einzelnen weiter geht, so hält er doch an dem Grundsatz fest,
daß der Vertreter, nicht der Vertretene der Paciscent sei, und
daß daher nur die Wirkungen der Handlung auf den Vertretenen
bezogen würden (S. 41). Jedenfalls findet aber auch der Ver-
fasser, daß das Prinzip der Unzulässigkeit unmittelbarer Stell-
vertretung nicht mehr gelte; auch ihm scheint eine neue Dog-
matik Bedürfnis'. Dazu liefert er im zweiten Theil seiner Ab-
handlung (von S. 35) interessante Beiträge. Es scheint ihm
nicht nothwendig, daß Vollmacht oder Ratihabitio» zur unmittel-
baren Stellvertretung hinzntrete, da heutzutage auch ein Nicht-
kontrahent aus den Verträgen Anderer erwerbe. Dieser Satz,
welchen das Leben anerkennt (in den Wittwenkaffcn, Lebensver-
verficherungen re.), ist aber freilich in der romanifirenden Juris-
prudenz noch ein Fremdling, und es wäre zu wünschen, daß ihm
der gebührende Platz von einem Kenner eingeräumt, aber auch
genau bestimmt würde. — Wenn der Prokurator für einen Dritten
abschloß, ihm aber die gehörige Befugnis fehlte, so wird er selbst,
nach dem Verfasser, abgesehen vom Fall des dolus, nicht verpflichtet.
Die Annahme eines eventuellen Vertrags mit dem Stellvertreter
Krit, Zeilschrist für gesammic Rechts».', l. Bv, 3. Hst. 20

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