Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

266 Römer, das Erlöschen des klägerischen Rechts.
satz und eine Combination derselben sei nicht denkbar. Diese
Behauptung liegt aber nicht in der Stelle, sie ist in dieselbe her-
eingetragen. Dieselbe giebt ein ganz anderes» Resultat, wenn
wir in dem ersten Glied, wie ich in meiner citirten Schrift S. 6
Anm. 12 ausführte, den Nachdruck statt auf „lege ageret“ auf „in
hereditatem“ legen, womit die Vindikation und Contravindication
auf das vorgebrachte Stück der hereditas bezeichnet werde, welche
freilich beim Sponsionsprozeß wegfallen konnte. Verres sagt
demnach, wer eine Erbschaft aus einem Testament beansprucht,
solle entweder in hereditatem lege agere, d. H. die Erbschaft selbst
vindiciren, ein vor Gericht gebrachtes Stück derselben mit der
fectuca in der Hand ansprechen, oder er solle eine Sponsi'on über
den Prozeß schließen, und die Sponsion nach gehöriger prov. sa-
cramento vor die Eentumviren bringen. Diese Auffassung wird
noch wesentlich dadurch unterstützt, daß die Erbschaftsprozesse
zu Ciceros Zeit, soviel wir wissen, stets durch Eentumviren ent-
schieden wurden. — Wenn dann Bethmann-Hollweg noch be-
hauptet, in der Zeit der legis actiones sei die sponsio praejudicialis
bei der Vindikation gar nicht vorgekommen, und sich darauf stützt,
daß Gajus bei der Beschreibung des älteren Verfahrens nichts
davon sage, so ist auch dieß bei der Lückenhaftigkeit des Berichts
über die legis aet. gar nicht beweiskräftig. Zu weit würde es
uns aber führen, die anderweitigen Gründe, welche aus der Natur
der sponsio praejudicialis und der legis a. sacramento als angeblichen
Wette genommen sind, hier zu widerlegen. (Bethm.-Hollw. loc. eit.
S. 391.) Wir wollen daher nur noch zusehen, wie sich Beth-
mann-Hollweg mit seinen abweichenden Ansichten bei der Erklärung
der Stelle von Gajus aus der Sache zieht.
Er hat zwei Wege vorgeschlagen. Einmal könne man an-
nehmen, daß Gajus unter der dinglichen Klage anfangs nur die
eigentliche „actio mit der formula vor einem judex verstanden habe";
der Centumviralprozeß sei ihm erst später zufällig beigefallen,
und um nun das früher Gesagte, daß die a. in rem nur zwie-
fach sei, nicht zurückzunehmen, habe er die Klage vor den Cen-
tumviren nur als eine Art der a. per sponsionem dargestellt; dies
sei in der That möglich gewesen, da wirklich das sacramentum
nur eine Art von sponsio sei. Hiernach gebe es also eigentlich
drei Formen der Vindikation und die Angabe von zweien beruhe
nur auf einer Ungenauigkeit des Gajus. In dieser Auffassung

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