Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Römer, das Erlöschen des klägerischrn Recht-. 255
Da der Verf., wie er im Vorwort seiner „Beweislast hin-
sichtlich des Irrthums" erzählt, nach siebenjähriger praktischer
Laufbahn in den akademischen Lehrkreis eintritt, so scheint er
vor andern berufen zur Lösung einer Frage, deren Bedeutung
für das heutige Recht Niemand verkennen wird; und unleugbar
wird das Interesse an der vorliegenden Abhandlung durch den
cingefügten Rechtfall gehoben. Dennoch erscheint die Arbeit in
mancher Beziehung minder befriedigend.
Zunächst fällt es auf, daß der Verf. eine Lösung der aufge-
worfenen Frage für die verschiedenen Perioden des Processes von
gleichem Standpunkt aus nicht einmal versucht. Das bei den
legis actiones angenommene Princip wird aus der Natur der for-
mellen Proceßhandlungen entwickelt, eine gleiche Entwicklung des
für den Formularproceß behaupteten Princips aber verworfen;
und dieß befremdet um so mehr als der Verf. in den ersten Pa-
ragraphen des zweiten Abschnitts auf die innige Verwandtschaft
des Formularverfahrcns mit den legis actiones hinweist, und außer-
dem anerkennt, daß in der einzigen auf eine extra oräinaria cog-
nitio bezüglichen aus der Zeit des Formularprocesses angezogenen
Stelle, lr. 38 §. 6 de operis lib., die Entscheidung des Paulus
eine Abweichung von dem ausgestellten Princip enthält. Dennoch
sagt der Verf. p. 103 ausdrücklich, sein Princip stehe mit dem
Formularverfahren in keinem „Causalverhältniß." Schade, daß
er nicht sagt, mit welchem andern Elemente des römischen Rechts
es in solchem Causalverhältniß steht; mit der aequitas offenbar
auch nicht, denn unser Recht, das doch ganz „von dem Princip
der aequitas und bona Läes durchdrungen" ist, hat, wie der Verf.
selber zugiebt, jenes Princip wesentlich verändert. Unmöglich aber
wäre eö sicher nicht gewesen die Formen des Processes überall
als Anhalt für die beabsichtigte Untersuchung zu benutzen. Auch
bei dem Verfahren per formulas wird die Condemnation an die
Bedingung des Vorhandenseins klägerischen Rechts geknüpft, selbst
wo sie äußerlich uumittelbar mit den das Recht erzeugenden That-
sachen verbunden scheint. Auch hier ist für das Vorhandensein
des Rechts zunächst der Augenblick maßgebend, in welchem eben
diese Anknüpfung der Condemnation erfolgt. Aber die Zusätze
der intentio bei den actiones arbitrarias und den actiones bonae
fidei erheischen eine besondere, gerade für die vorliegende Frage
wichtige Berücksichtigung Seitens des Richters. Interessant ist

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