Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Stein, System der Staatswissenschaft.

Leben fühlt diese Gesetze des Werths mit dem richtigen Instinkt
des Lebendigen sogleich heraus (S. 181)." Wir fühlen so wenig
von diesem Instinkt in uns, daß wir von dem Verfasser des
Systems mit den Worten scheiden müssen, womit er doch selbst
sein Werthsystem beschließt (S. 205) : „Dieß zu erfassen, reicht
keine menschliche Kunde, keine menschliche Fähigkeit hin."
Auch dieß ferner zu kritisiren, dürfte weder des Lesers noch
die eigne Geduld hinreichen. — Wir lassen den ganzen weiteren
Inhalt des Systems auf sich beruhen. Wir müßten ja, um es in
allen seinen Theilen zu kritisiren, selbst ein ganzes System der
Nationalökonomie in diese Blätter bringen. Denn wir können
nach genauer Durchsicht auch mit voller Zuversicht behaupten,
daß nicht eine Materie, ja kaum eine Seite darin abgehandelt
ist, die nicht von ähnlichen ökonomischen und logischen — Selt-
samkeiten wimmelte.

Solch ein Buch konnte wirklich nur geschrieben und gedruckt
werden, wo die Volkswirthschaft so ungestraft verpfuscht wird,
sich so träge hinleiert, wie in diesem deutschen Staatenbund. —
Die Astrologie bekennt man doch nirgends mehr als eine Wissen-
schaft. Und wenn sich der Engländer von ärztlichen Quacksal-
bern kreuzigen läßt, so findet dagegen der wirthschaftliche — sociale
Aberglaube bei ihm doch nur noch in dem ungebildetsten Theile
der Arbeiter seine Verbreiter und Jünger. Bei uns im Gegen-
theil, wo die medizinischen Schröpfdoctoren, Universalpillen
und die Homöopathie mehr und mehr verschwinden, macht die
ökonomische Praxis und Theorie immer noch die besten Ge-
schäfte mit der Maxime: daß dem Volkswohlstand durch fort-
währendes Schröpfen doch nicht die Lebenssäfte entzogen, der
Kräfteverlust jedenfalls durch homöopathische Dosen oder Wunder-
pillen mehr als ausgeglichen werde; wuchern im großen Publi-
kum — ja, wie das „System" zeigt, dicht neben der Wissenschaft,
die Mystik und die Phrase, wie kaum zuvor. — Die meiste Schuld
daran mögen unsere kläglichen öffentlichen Zustände tragen. Denn
der Lehrer, der wenigstens heut zu Tag noch weitaus am ein-
dringlichsten zu einem Volke spricht und die Wahrheit vom Zrr-
thum scheidet, ist nicht die Wissenschaft, ist die selbsterlebte Er-
fahrung. Unsere Staatsweisen sorgen aber dafür, daß durch
Erfahrung Niemand Schaden nehme. — Einen Theil der Schuld

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