Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Buchka, Lehre von der Stellvertretung.

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wenn es dolos wäre, eine solche Verpflichtung nicht
zu erfüllen. Dadurch trat indessen nur die Verbindlichkeit
des Geschäftsherrn zu der des Geschäftsführers hinzu. Der Grund-
satz, daß dieser eigentlicher Contrahent (nicht etwa Stellvertreter)
sei, und sich persönlich verpflichte, wie er persönlich berechtigt sei,
blieb zu jeder Zeit unangetastet. Dies zeigt schon die gemeinsame
Form aller dieser Klagen; den Klaggrund, die intentio, bildet die
Verpflichtung des Geschäftsführers, der Geschäftsherr hat sie aber
zu übernehmen und sich die Verurtheilung daraus gefallen zu
lassen. Solche Klagen gegen den Geschäftsherrn gab man etwa
in folgenden Fällen:
1) Hausuntergebene, Kinder wie Sklaven, waren ursprünglich
so unfähig, Schulden zu haben, wie Forderungen für sich zu erwer-
ben ; auch konnten sie den Vater der Natur der Sache nach nicht
verpflichten. Daraus erklärt sich allein, warum bei der conventio
in manum und der Arrogation die Schulden des Arrogirten nach
Civilrecht ipso juro untergingcn (Gaj. III. §. 84, IV, 38.).3) Beim
Haussohn änderte sich dies später dadurch, daß der Prätor eine
actio fictitia gegen ihn gab, worin er in Bezug auf Schulden
als Hausvater behandelt wurde (kr. 141 §. 2 D. de V. 0. pubes
vero qui in potestate est, proinde „ac si paterfamilias“ obligari solet,
fr. 39 D. de 0. et A. 44, 7. agi cum eo „tanquam cum patrefa-
milias“ potest.). Man konnte jedoch dadurch bei der Vermögens-
losigkeit des Sohnes nur die nicht mehr verjährbare Feststellung
eines Anspruchs durch ein Urtheil, keine Befriedigung erlangen.
Im Leben spiegelte sich aber die absolute Einheit des Ver-
mögens, welche in der juristischen Theorie feststand, nicht wieder;
vielmehr überließ faktisch der Vater seinen Untergebenen einzelne
Theile seines Vermögens, welche ein eigenes Ganze (peculium)
bildeten (Buchka S. 23). In Bezug darauf gestattete er ihnen
eine gewisse Administration, und das Contrahiren von Rechts-
geschäften, deren regelmäßige Tilgung aus dem Pekulium zur Er-
haltung ihres Credits sein eignes Interesse forderte. Weigerte sich
nun dennoch der Unterworfene oder der Vater, dieser Verbindlich-
keit aus dem Pekulium nachzukommen, so sollte der Gläubiger ge-

3) Der Vater konnte durch die Arrogation nur in Rechtsverhältnisse rlntreten,
in welche er überhaupt durch Unterworfene trat, also nicht in die Schulden; der
Arrogirte wurde unfähig, Schulden zu haben.

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