Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

6

Buchka, Lehre von der Stellvertretung.

unmittelbar erwarb. (Buchka S. 8—22). Es ist dabei gleichgil-
tig, ob der Haussohn ausdrücklich bestimmt hat, daß die Leistung
an den Vater geschehen solle oder nicht (kr. 1 D. de stip. serv. 45, 3).
' Als den Contrahenten sahen dabei die Römer dennoch den
Haussohn an, der den Vertrag persönlich abschloß, nicht den
Vater, der daraus erwarb. Insoweit die Gültigkeit und Wirk-
samkeit des Vertrags von faktischen Voraussetzungen abhängt,
berücksichtigten sie daher die Person des Sohns allein. Denn
in Bezug auf das Faktische galten Vater und Sohn als verschie-
dene Personen. Der Consens des Sohns allein wurde verlangt
(kr. 12 D. de contr. emt. 18, 1), seine Kenntniß von den Fehlern
des gekauften Gegenstandes schloß die redhibitorische Klage aus
(kr. 51 D. de aed. ed. 21, 1), sein Dolus bei Abschliesiung des
Vertrags wurde berücksichtigt (Buchka S. 10—17). Wo aber
die Gültigkeit des Vertrags von der Frage abhing, ob der Cre-
ditor den stipulirten Anspruch erwerben könne, war die Person
des Hausvaters allein maßgebend; kr. 130 in k. 0. de V. 0. (45, 1).
Diese Seite hat Buchka nicht hervorgehoben. Gerade in dieser
speziellen Beziehung sagen die Alten fr. 45 D. de V. 0. quodeunquo
stipulalur is, qui in alterius potestate est, pro eo habetur ac si ipse
esset stipulatus, oder §. 12 3. de iuut. stip. (3, 10) patris vel domini
voce loqui videtur; Ausdrücke, denen man mit Unrecht oft eine
generelle Bedeutung unterschoben hat. Deßhalb konnte nach älte-
rem Recht der Sohn post mortem seines Vaters nicht siipuli-
ren, weil dieser keinen Anspruch aus einer Obligation erwerben
konnte, welche zu Gunsten seines Erben abgeschlossen wurde,
§. cit. J. de inut. stip.
" III. In späterer Zeit erlitt der Grundsatz, daß der Geschäfts-
führer als der eigentliche Contrahent allein persönlich berechtigt
und verpflichtet sei, auch nach prätorischem Recht Modifikationen.
Im Verkehrslcben kontrahirte man häufig mit Rücksicht auf den Gc-
schäftsherrn und sah dann einen dolus in dessen Weigerung, für die
Erfüllung der Verbindlichkeiten seines Geschäftsführers zu sorgen.
Dieser Rechtsanschauung folgend, formulirten die Prätoren auch
gegen den Geschäftsherrn Klagen der verschiedensten Art. Alle
aber lassen sich auf das eine Prinzip zurückführen, daß auch
Dritte aus Verträgen, welche mit ihrer A u t o r i -
sation oder zu ihren Gunsten abgeschlossen wurden,
zur Uebernahme der Klage gezwungen werden sollen,

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer