Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Stein, System der Staat-Wissenschaft. i(Jf
Gesammtheit von Gesetzen und Maßregeln — indem sie sich zu
einer einheitlichen Anstrengung organisiren — die Verwirklichung
eines bestimmten Princips zu ihrer Aufgabe machen. Die Lehre
von der Wirthschaft zeigt aber, daß dieses höchste Princip, dessen
Anwendung alle vederblichen, ernsten Gegensätze in der Wirthschaft
zu versöhnen vermag, kein anderes ist, als die Gemeinschaft der
Gesammtinteressen. Denn die W. L. findet durch eine einfache
Berechnung dieses Interesse, als Inhalt, und damit als Vor-
aussetzung und Beweis des Princips, daß die wirthschaftliche Ent-
wicklung aller übrigen Kapitalien und Wirthschaften, die Bedin-
gung der wirthschaftlichen Entwicklung jedes einzelnen Kapitals
ist. — Die eigentliche Volkswirthschaftslehre wird aber dadurch
zum System, daß sie jenes vorläufig nur erst im Bewußtsein vor-
handene, abstracte Princip gleichzeitig auf allen den verschiedenen
Gebieten des wirthschaftlichen Lebens, worin es nach der Berech-
nung der W. L. vorhanden ist, d. h. durch eine systematische
Anstrengung zu verwirklichen sucht. —
Unter „eigentlicher V. W." versteht hiernach Herr St. offen-
bar die Wirthschaft eines Volks, wie sie sich dann darstellen würde,
wenn alle die von der Wirthschaftspolitik, im Interesse des Volks-
wohls, dem Inbegriff der Organe des Volkswillens, dem Staat,
angemuthcten Maßregeln und Gesetze in voller Wirksamkeit wä-
ren. — Nun, vielleicht leistet der eine oder andere eigensinnige
Praktiker um so eher hilfreiche Hand zur Verschmelzung der wis-
senschaftlichen Lehren mit der zähen Wirklichkeit, wenn ihm von
vornherein ans dem Munde des Herrn St. die Versicherung wird,
daß ohnedem die gelehrte Welt das Werk, dem er dient, nicht als
ein eigentliches anerkennen würde. Mehr noch dürfte jedenfalls
zu jener Bekehrung beitragen, wenn es dem Verf. des Systems
gelänge, den praktischen Politiker zwischen jenem Princip, zwischen
den zu seiner Durchführung bestimmten einheitlichen Anstrengun-
gen und dem Volkswohlstand einen ursächlichen Zusammenhang
nachzuweisen. — Bleibt jedoch Herr Stein den oben ange-
führten Resultaten treu, so kann ihm. wie sich schon hier be-
haupten läßt, dieser Nachweis unmöglich glücken. Zunächst aus
dem Grund nicht, weil seine W. L. für das die Gegensätze der
V. W. versöhnende Princip nur einen und denselben Inhalt fin-
det. Ein derartiger Grundsatz an der Spitze eines neuen Sy-
stems der politischen Oekonomie zeichnet dasselbe der bisherigen

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