Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Sell, die Römische Lehre »»m dinglichen Rechte und Sachenrechte. 157
noch weil im plus das minus liege, wie Sell S. 304 annimmt,
sondern weil das der gewöhnliche und praktische Fall ist. — Bei
der kormula per sponsionem übernehmen der Beklagte und seine
Bürgen alle Verpflichtungen, welche der Besitzer und seine praedes
bei der alten rei vind. gehabt hätten, durch die eautio pro praede
litis et vindiciarum. Sonach hatten sie im Fall der Nichtrestitution
auch das duplum der Früchte zu prästiren; das bestätigt Paulus,
indem er dieser Verhaftung in einer Stelle erwähnt (r. «. V,
9. §. 2.), welche sich offenbar auf die lormu!» per sponsionem
bezieht.
Bei der petitoria formula aber findet sich keine Spur einer
doppelten Fruchtästimation, und es verhalten sich diese beiden Kla-
gen also etwa wie die actio rationibus distrahendis aus den zwölf
Tafeln zu der aclio tutelae in den Fällen, wo sie konkurriren.
Berühren wir hier zugleich noch einen andern prozessualischen
Punkt, den Beweis des Eigenthums. Die neuern Juristen, auch
Sell S. 363, nehmen mit der größten Bestimmtheit an, daß man
beim derivativen Erwerb nicht nur sein eignes Eigenthum, son-
dern auch das Eigenthum aller seiner Autoren beweisen müsse,
und dies ist ohne Zweifel zur absoluten Gewißheit über das Vor-
handensein des EigenthumS nothwendig. Es fragt sich aber, ob
diese absolute Gewißheit zum Sieg im Prozeß unentbehrlich ist. Wie
sich das im heutigen Recht verhalte, stehe dahin. Im römischen
Prozeß wurde sie aber nicht gefordert; da wurde dem Richter
aufgegeben, si paret rem Ai. Ai. esse; er mußte nach moralischer
Ueberzeugung urtheilen, und diese kann sich auch wohl feststellen,
ohne daß der Beweis bis zur Vertheilung der Erde hcraufgeführt
wurde. Dies war namentlich in den Provinzen wichtig, wo die
Usucapion ausgeschlossen war. Gerade daraus, daß mau den
Eigenthumöbesitz einer gewissen Zeit für hinlänglich hielt, entstand
aller Wahrscheinlichkeit nach die I. temporis praescriptio. Sv er-
klärt sich wenigstens, warum jene Regel nirgends in unfern Quel-
len absolut ausgesprochen ist.
Im dogmatischen Theil wäre Manches zu berichtigen. So
ist es z. B. nach römischem Recht nicht richtig, was S. 353 allge-
mein gesagt wird, daß der Erbe, welcher den Besitz des Erblas-
sers fortsetzt, mit der rei vindie. auch für alle Handlungen des
Erblassers einzustehen gezwungen werde. Er wird dazu nur ge-
nöthigt, wssnn bereits mit dem Erblasser lis kontestirt war fr. 42.
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