Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Sell, Römische Lehre der dinglichen Rechte oder Sachenrechte. 147

Der Natur der Sache nach siegten die Prokulejaner, welche
hier die Vertheidiger der Industrie und der modernen Ansicht
waren. Die modia senlentia, welcher die bedeutendsten späteren
Zuristen anhingen, wonach der Spezifikant nur Eigenthum erwirbt,
falls sich die frühere Materie nicht wiederherstellen läßt, ist nicht
eine Modifikation der Prokulefanischen Ansicht, sondern nur eine
genauere Begriffsbestimmung der Spezifikation.
Die Prokulejaner hatten aber den EigenthumSübergang auch
dann angenommen, wenn der Spezifikant wußte, daß die Materie
einem Andern gehöre. Dies läßt sich aus Gaj. II. §. 79. schließen,
wo die Prokulejaner den Eigenthümer der Materie auf die a.
furti und condictio furtiva verweisen. Darin aber gingen sie zu
weit. Man wand dagegen mit Recht ein, daß die Thärigkeit dessen,
welcher wissentlich einen fremde» Skoss bearbeite, dein Eigenthü-
mer zu-Gute kommen müsse. Diese Ansicht ging ins neuste Recht
über. /Dafür spricht nicht nur die Analogie der Verhältnisse beim
Fruchterwerb, die Unzulässigkeit der Vindikation wegen der vom
m. f. possessor verbauten Materialien, sondern auch die bestimm-
testen Quellcnzeugnisse. Paulus fr. 12. §. 3. D. ad exh. 10, 4.
quum sciret haec aliena osse utriusque nomino ad exhibendum te-
neri, quia quod ex re nostra lit, nostrum esse verius est. Dennoch
haben dies die bleueren aus ganz mchtigen Gründen geleugnet,
hauptsächlich weil sic sich von dem Gesichtspunkt der Oecupation
nicht loswinden konnten und daher eine Unterscheidung für in-
konsequent hielten. So behauptete man, daß die Aussprüche der
Quellen zu viel bewiesen und darum gar nicht benutzt werden
dürften u. s. f., vgl. darüber Soll, S. 103. Noch weniger halt-
bar ist aber die Mittelmeinung dcS Verf., wonach b. f. deö Spe-
zifikanten im Allgemeinen nid)t erforderlich sei, dagegen seiner
wissentlich mit fremdem Stoff vorgenommencn Spezifikation kein
furtum vorangegangen sein dürfe. Denn auch diese Ansicht steht
im schneidensten Widerspruch ntit den Worten von Paulus. Da
der Erwerb des Eigenthums einer Sache durch den Spezifikanten
eine Folge seiner Thätigkeit ist, so kann er auch nicht gezwungen
werden, den Werth der gewonnenen Spezies hintendrein zu er-
setzen. Unsere Quellen erhalten davon wenigstens keine Andeu-
tung. Bang. I. §. 230, Sell S. 199 wollen die a. in factum
in quantum locupletior factus esl, gegen ihn gestatten. Allein diese
ist nicht ohne weiteres anwendbar. Schlüge der Grundsatz durch,

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