Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Gaupp, Geschichte der Stadtrechtr de- Mittelalter». 117
nach der Verschiedenheit der Städte auch zu verschiedenen Zeiten
sich wiederholt haben. Bei vielen Städten fehlt die eine oder
andere ganz, z. B. die erstere bei allen, welche durch einen Stif-
tungsakt gleich Anfangs eine freie Verfassung erhielten (Freiburg
im Breisgau) und die letzte bei den meisten jüngern und unbe-
deutenden Städten, deren Entwickelung mit der seit 1388 einge-
tretenen starken Entfaltung der Landeshoheit zufammentraf. So-
dann ist zu berücksichtigen, daß die Geschichte der drei Perioden
durch die besondern Verhältnisse, welche darauf einwirkten, bei
jeder Stadt auf das Verschiedenste modificirt ist. Hier hätte die
Klassifikation der Städte in bischöfliche, königliche und herrschaft-
liche den entsprechenden Platz gefunden. Selbst bei ganz gleich-
artigen Städten ist die innere Geschichte doch zuweilen durchaus
verschieden. Welcher Unterschied besteht nicht in der Geschichte
der Städte Speier und Worms! Während dort die Streitigkeiten
der Stadt mit dem Bischof seit dem 14. Jahrhundert vor den
Kämpfen der Patricicr und Handwerker in den Hintergrund tre-
ten, ist es in Worms nie zu einer allgemeinen Bewegung der
Zünfte gekommen, und der Krieg zwischen Klerus und Bürger-
schaft tobte mit geringen Unterbrechungen von dem Jahre 1230
bis zum Jahr 1520.
Tie einer antiken oder modernen Anschauu»g entlehnten Be-
griffe, Monarchie, Aristokratie und Temokratie, welche der Verf.
gern zur Bezeichnung deutscher Verfassungszustände des Mittel-
alters braucht, erschöpfen zwar deren Inhalt und Wesen nach
keiner Seite; doch wollen wir sie uns gern gefallen lassen, wenn
sie dieselben unserm Verständniß näher rücken. Leicht können sie
indessen auch verwirren. Warum z. B. die Volks- und Gau-
vcrfaffung überwiegend auf demokratischer Grundlage ruhen soll
(S. XXXI), während die Gcschlechterherrschaft eine aristokratische
oder eine „Demokratie der städtischen Aristokratie" genannt wird
(Seite XXXIII), will mir nicht einlcuchten: denn was sind die
Patricicr in den Städten anders als die Altfreien, auf deren
Gemeindeverbindungcn die alte Gauverfassung ruhte L Dann
war also auch diese aristokratisch oder eine demokratische Aristo-
kratie. Eher möchte ich die freie Gauvcrfassung wie die Ge-
schlechterherrschaft republikanisch nennen.
S. XXXII spricht der Verf. von den Bedrückungen, welche
die Herren oder ihre Beamten (Ministerialen) gegen die Stadt-

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