Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Gaupp, Geschichte der Stadtrechte de« Mittelalter-. HZ
Verf. zugestandenen Beschränkungen schwer zu beweisen sein. Er
macht auch sogleich in Betreff der wichtigsten Stadtrechte eine
Ausnahme. Aber wenn wir das Kölnische, Lübische und Magde-
burgische Recht ausnehmen, wie viele Rechtsmittheilungen bleiben
dann wohl übrig? — Kölnisches (fränkisches) Recht wurde höchst
wahrscheinlich auf die (sächsische) Stadt Soest übertragen: alle
Städte also, welche ihr Recht von Soest erhalten haben, hätten
— wenn wir ein Stadtrecht noch so bezeichnen dürfen — frän-
kisches Recht gehabt. Und wie hiernach die meisten sächsischen Stadt-
rechte auf fränkische Wurzel zurückgcführt werden müßten, müßte
dies mit vielen andern geschehen: von den elsäßischen (schwäbi-
schen oder alemannischen) wissen wir es gewiß, daß viele (Kol-
mar, Dattenwied u. s. w.) Kölnisches Recht hatten; bekannt ist
cs von den zähringischen (alamannischen und burguudischcn). —
Damit scheint aber sowohl die Möglichkeit einer Eintheilung der
Stadtrechte nach den verschiedenen Stammen, als auch die Regel,
daß die Rechtsmittheilungen gewöhnlich nur von stammsverwand-
ten Städten erbeten worden seien, aufgehoben. Welche Gründe
maßgebend waren, daß eine Stadt ihr Recht gerade von dieser
und nicht von einer andern Stadt holte, scheint kaum von vorn-
herein bestimmt werden zu können. Die Verbindungen der Städte
unter einander haben wohl den meisten Einfluß gehabt, so daß
z. B. eine Stadt, welche mit einer andern in regem Verkehr stand,
lieber diese um Rechtsmittheilung anging, als solche, welche zwar
demselben Stamm angchörten, aber keine Verbindung mit ihr un-
terhielten. Sodann darf man nicht vergessen, daß die Rechtsver-
letzung in vielen Fällen gar nicht von der Stadt selbst, sondern
von ihrem Herren veranlaßt wurde. Daß die elsäßischen Städte,
welche nicht zum Slraßburger Biothum gehörten, Kölner Recht
hatten, bin ich geneigt, aus dem zuerst angeführten Grund zu
erklären. Der Rhein bildete schon früh eine von Kölner Kauf-
leuten beherrschte Handelsstraße, die dieselben eher mit den elsä-
ßischen Städten in Verbindung brachte, als Straßburg irgend eine
Bedeutung erlangte. Dagegen wurde die Uebertragung des Köl-
ner Rechts auf die zähringischen Städte durch die Herzöge von
Zähringen bewirkt, wobei aber auch die natürliche Verbindung
dieser Städte und die fortgeschrittene Entwickelung, welche daS
Kölner Recht bereits hatte, von entscheidendem Einfluß gewesen
sein wird. Willktthrlicher mag es sein, wenn z. B. 1309 die

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