Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

112 Ganpp, Geschichte der Stadtrechte der Mittelalters.
Privatrecht der Städte in entsprechender Gleichartigkeit sich ent-
wickelt. Die große Mannichfaltigkeit aber, welche wir gleichwohl
darin finden, möchte eher auf einen Unterschied der in jeder Stadt
anders entwickelten städtischen Lebensverhältnisse als auf die Stam-
mesangehvrigkeit der Einwohner zurückgeführt werden können.
Die sechs verschiedenen Stämme genügen gewiß nicht, alle die
unzähligen Abweichungen in den einzelnen deutschen Stadtrechtcn
zu erklären. Wie ist nicht in jeder Stadt und zumeist in den
größern, welche für städtisches Privatrecht am wichtigsten gewor-.
den sind (Köln, Magdeburg, Lübeck), die Bevölkerung auö den
verschiedensten Elementen gemischt und zusammengeworfen wor-
den! In gleicher Weise wie in größeren Städten der Dialekt
leichter als auf dem Lande abgeschlossen wird, möchte am früh-
sten dort auch die charakteristische Eigenthümlichkeit des Stamm-
rechtes sich verwischt haben. Wünschenswerth wäre es, wenn Je-
mand eine Zusammenstellung des älter» städtischen Privatrechts
unternehmen wollte. Hat doch Phillips in seinem Lehrbuch des
heutigen deutschen Privatrechts große Theile desselben als beson-
deres Recht des Adels, des Bürger- und des Bauernstandes vor-
getragen. Hier müßte das gesammte Privatrecht der Städte
nach allen Seiten möglichst erschöpft werden. Dann würde man
sehen, wie die Abweichungen einzelner Stadtrechte ebensowohl auf
dem eigenthümlichen innern Leben einer Stadt als auf der Ab-
stammung und Herkunft der Einwohner beruhen; welchen Ein-
fluß es auf die Rechtsbildung hatte, ob die Stadt frühzeitig Han-
del trieb oder nicht, ob sie vom Ackerbau oder von Gewerben
lebte, ob es eine Land- oder Seestadt war, ob sich ein Schöffen-
thum erhielt oder nicht, unter welcher Herrschaft sie stand, mit
welchen andern Städten sie Verbindungen hatte, wie innerhalb
der Stadt wieder die verschiedenen Stände (Dicnsimannen oder
Ritter, Altfreie oder Patricier und Hörige oder Handwerker) sich
zu einander verhielten u. dgl. m. Und wenn dann auch der Ver-
such gemacht ist, zu einer umfassenden Darstellung der verschie-
denen Stammrechte, und wir eine sichere Grundlage gewonnen
haben, so wollen wir auch daran gehen, den Inhalt der Stadt-
rechte nach der Verschiedenheit der Stämme aufzulösen und zu
bestimmen.
Daß die Städte gewöhnlich nur Städte desselben Stammes
um Rechtsmittheilungen gebeten hätten, dürfte selbst mit den vorn

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