Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Bluntschlt, allgemeines Staatsrecht.

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Das IX. Buch hät die Staatscultur zum Gegenstände. Die
Ansichten des Verf. darüber sind schon aus seinen „Studien über
Staat und Kirche" bekannt. Die seit Dahlmann so zu Ehren
gekommene, aber noch nicht weit gediehene „Akademie", schließt
auch hier den Organismus der Schulen. Die Pflege der Zugend,
durch Staatserziehung, liegt dem Verf. mit Recht sehr am Her-
zen, aber Aeußcrungcn, wie S. 575 über Privatschulen, verrathen
eine starke Hinneigung zur erclusiven Staatöerzichung, die höchst
verwerflich ist.
„Die Staatswirthschaft", welche das Xl. Buch füllt, kön-
nen wir füglich übergehen. Hier sind die eigentlichen Staats-
rcchtslchrer auf das Wissen ihrer Kollegen der Nationalökonomcn
angewiesen und diese allein haben zu lehren, was der Staat thun
darf und bleiben lassen muß.
Das Xl. Buch ist den „Gemeinden" gewidmet. Wir hatten
beabsichtigt, einige ergänzende Bemerkungen über das englische
Gemeindeleben anzuknüpfcn; allein wir können nur mit einer
Empfehlung dieses Buchs, welche der Gemeinde eine passende
Selbständigkeit vindizirt, weitergehcn.
Das XII. und letzte Buch handelt von den „Freiheitsrechten".
Die Ansichten des Vers, athmen hier in Bezug auf Schutz gegen
willkührliche Verhaftung, Freiheit der Meinungsäußerung, Preß-
freiheit, Schutz des Hausfriedens und des freien Verkehrs, das
Recht zu Petitionen, das Versammlungs- und das Vercinsrecht
einen ganz liberalen Geist.
Aber wir möchten zu bedenken geben, ob die Art Staat, der
er im ganzen Buche sein großes Talent gewidmet hat, für die
er sich, wie uns scheint, in seinem Resultat mit den Lehren der Ge-
schichte, die er uns im Ganzen so richtig und lebendig vorgeführt, in
Widerspruch gesetzt hat, jemals die Rechte, welche er, wie wir, so
hochhält, dauernd, nicht bloß auf dem Papier, anerkannt hat?
Von diesem Nachweis oder dem bloßen Nachweis der Wahrschein-
lichkeit einer solchen Harmonie wollen wir die Entscheidung über
die parlamentarische oder persönliche Regierung im konstitutio-
nellen Staat abhängen lassen. Von der großen Bedeutung des
Werks, dem wir nur kurz, und wir selbst wissen wie unge-
nügend , gefolgt sind, haben wir schon weiter oben geredet.
— Es ist die beste Vertheidigung der deutschen Art consti-
tutioneller Regierung, deren sich die Anhänger derselben rüh-

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