Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Maurer,

sichtl), — R. Schmidt, Palgräveb), Lappenberg ^), können sich
zwar insgesammt noch nicht völlig von den älteren Anschauungen
los machen, prüfen indeß bereits mit sorgsamem Quellenstudium
deren Begründung, und erschüttern damit von selbst die ganze
Theorie; bei Wilda endlich ist nur noch der Name der Ge-
sammtbürgschaft geblieben°), während er den gewöhnlich mit dem
Worte verbundenen Begriff völlig aufgegeben hat. In der neuesten
Zeit hat bei uns in Deutschland noch Unger die Gesammtbürg-
schaftStheorie, freilich in eigenthümlicher Fassung, vertheidigtO),
Waitz dagegen in gründlicher Darstellung widerlegt?); auffallender
Weise wird dieselbe trotz aller erlittenen Niederlagen von Kemble
dennoch neuerdings wieder ziemlich in der älteren Weise vorgetra-
gen. Zu allem Glück hat indessen diese Wiederaufnahme einer
längst zurückgewiesenen Hypothese bereits ihre vollständige Wider-
legung gefunden in einer vortrefflichen Abhandlung von Heim.
Marquardsen^), so daß wir uns damit begnügen können, haupt-
sächlich auf ihn gestützt, kurz den neuesten Stand dieser Frage dar-
zulegen. — Neben der Bürgschaft, welche der Geschlechtsverband
für seine Mitglieder, der Hausvater und Herr für seine Angehöri-
gen, endlich der Gastfreund für den von ihm aufgenommenen
Fremden nach angelsächsischem Recht wie nach deutschem zu über-
nehmen hat, und deren Gränzen als bekannt vorauszusetzen sind,
kommt in der älteren Zeit auch in England eine weitere verbür-
gende Rechtsgenossenschaft nicht, oder doch jedenfalls nicht als all-
gemein durchgeführte Anstalt vor; der vollfreie Mann war, ganz
abgesehen von seiner Verwandtschaft, schon durch den bei ihm
wesentlich vorausgesetzten Grundbesitz verbürgt, der Freie ohne
Grundeigenthum mußte sich in den Dienst eines Herrn begeben,

*) De universali fidejussione, quam Germanice Gesammtbürgschaft
vocant, 1826.
2) Ang. O., zumal p. 256—62.
3) Ang. O. I, p. 191—204.
») Ang. O. I p. 588—90.
5) Straft, d. Germ. p. 136; vgl. auch p. 70 und p. 388—9.
6) Die altdeutsche Gerichtsverfassung p. 24—69.
7) Deutsche Verfassungsgeschichte I, p. 225—274.
8) Ueber Haft und Bürgschaft bei den Angelsachsen, 1852.

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