Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

über angelsächsische Rechtsverhältnisse.

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Die Volkschaft und die scir.
Wir haben oben ausgesprochen, daß über dem Kunüred eine
weitere höhere Staatsabtheilung nicht mehr gestanden sey; diese
Behauptung ist aber nur für die ältere, nicht für die spätere Zeit
richtig. Bei Beda und Asser, in den älteren Theilen der angel-
sächsischen Chronik, in einer erst von Spelmann, dann verbessert
von Kemble, abgedruckten Urkunde *) finden wir Bezeichnungen für
eine Reihe von Gegenden, welche sprachlich keinerlei Hinweisung
auf irgendeine durchgeführte Bezirkseintheilung zeigen, sondern
nur einfache Volks- oder Landesnamen gebend, wobei allenfalls
eine Zusammensetzung mit -wäre,-waran oder -waras, -saete,-saetau
ober -saetas, mit -land,-rige u.dgl. vorkommt 3); manche der angege-
benen Bezirke zerfallen selbst wieder in andere kleinere^). Bei
einigen von diesen kleinen Landschaften können wir nun strengstens
Nachweisen, daß sie in der älteren Zeit selbstständige Staaten bil-
deten und ihre eigenen Könige hatten, und erst später einem der
größeren Nachbarstaaten einverleibt wurden, wobei allenfalls die
früher souveräne Herrscherfamilie zunächst nur mediatisirt wurde
und den königlichen oder doch einen diesem ähnlichen Titel noch
fortsührte, bis endlich auch dieser Ueberrest früherer Herrlichkeit
verloren ging 5); für die übrigen, nicht in gleich bestimmter Weise
verfolgbaren Gegenden darf hiernach ein ähnlicher Ausgangspunkt
wohl mit ziemlicher Sicherheit vermuthet werden, und in der That
weist schon die Art der Bildung ihrer Benennungen entschieden
auf frühere Selbstständigkeit hin: daß nicht selten Namen, die ander-
wärts bloße Theile eines größeren Staatsganzen bezeichnen, auch
wieder als Namen besonderer Staaten Vorkommen, muß dabei
ebenso wie das öftere Vorkommen mehrerer gleichzeitiger Könige
in einem sonst als einheitlich aufgeführten Lande aus der großen

*) Spelmann, Gloss. s. v. hida; Kemble, I. p. 81—2.
2) §. B. Westseaxan, Sudh-, East-, Middelseaxan, Hwiccas; —
Eastengla, Lindes, Wiht u. s. w.
5) A. B. Cantwaraland, Lindisvare, Merscware, Nordhan- und Su-
dhanhymbraland, Myrcnaland,Sudhrige; Wilsaetan, Dornsaetan,Sumor-
saetan; daneben Sumorsaete u. dgl. m.
4) Z. B. Cantwaraland in East- und Westcentingas u. dgl.
5) So bei den Hwiccas, Lindisfaran u. f. Iv.
Kritische Ueberschau. 6

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