Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

über angelsächsische Rechtsverhältnisse. 65
Volke steht, — endlich edhel, d. h. Land, das stch im freien Son-
dereigenthume der einzelnen Volksangehörigen befindet. Allerdings kön-
nen wir eine solche anfängliche und förmliche Besitzergreifung erst
des Volkes im Ganzen, dann seiner einzelnen Abtheilungen, end-
lich der einzelnen Volksangehörigen, nicht quellenmäßig Nachweisen;
will man daher die Sache lieber so fassen, daß zunächst eben nur
die Einzelnen für sich Besitz genommen, daneben aber die größeren
Genossenschaften das ihnen zunächst gelegene herrenlose Land ihrer-
seits gemeinsam benutzt hätten, so haben wir auch hiegegen nichts
einzuwenden; nur muß auch bei solcher Auffassung angenommen
werden, daß wenigstens in späterer Zeit, als mit der steigenden
Zahl der Ansiedler der herrenlosen Güter weniger wurden, die bis-
her von den einzelnen Genossenschaften gemeinsam genützten Güter
von diesen als ihr Gesammteigenthum angesehen und behauptet
wurden, während zugleich der Staat seinerseits alles, was noch
keinen Eigenthümer oder auch bestimmten Nutznießer als Herrn
hatte, als Volkland für sich in Anspruch nahm. Anstatt einer an-
fänglichen Besitzergreifung durch Staat und Gemeinde erhalten wir
demnach bei solcher Annahme eine nachfolgende, nur freilich mehr
allmähliche und nicht formell geregelte; für unseren Zweck führen
beide Wege zu demselben Ziele. 4) Ganz entschieden glauben wir
dagegen der Art entgegentreten zu müssen, in welcher sich Kemble
die Entstehung der Markschaften erklären will. Kemble geht näm-
lich davon aus, daß die gemeine Mark ursprünglich die Gränze
des von der einzelnen Genossenschaft in Besitz genommenen Landes
bilde; ihre Heiligkeit und ihr besonderer Friede scheint ihm gerade-
zu auf der Heiligkeit der unter besonderen göttlichen Schutz ge-
stellten Gränzen zu beruhen, und hiemit auch die besondere Strenge
gegen jeden Fremden, der den Gränzwald verdächtig betritt, zusam-
menzuhängen: * 2) aus beidem soll sich dann wieder das Schreckhafte
*) Vergl. indessen was unten gelegentlich der Grundbesitzverhältnisse
zur Sprache zu bringen seyn wird.
2) Kemble beruft sich in dieser Beziehung auf In. 20. Diese Stelle
hat indeß mit der Mark nicht das Mindeste zu thun. Sie besagt nur,
daß Fremde, welche im Walde abseiten der Heerstraße gehen, ihre An-
wesenheit durch Ruf oder Hornschall kundgeben sollen, wenn sie nicht in
den Verdacht heimlichen und darum böswilligen Herumschleichens kom-
men, und in Folge dessen der Gefahr ungestraft als Diebe erschlagen
zu werden sich aussetzen wollen. Man sieht, die ganze Bestimmung
Kritische Ueberschau. 5

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