Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Maurer,

daß neben zahlreichen Einzelhöfen auch nicht minder zahlreiche
Dörfer bei dem Stamme vorkamen. Leider ist es auch uns nicht
möglich, zur Zeit diese empfindliche Lücke auszufüllen.
Das Verständniß der Markgenossenschaft und ihrer Entstehung
setzt aber einen Rückblick auf die Entstehung der angelsächsischen
Reiche selbst voraus. Nicht mit einemmale und nicht auf fried-
lichem Wege wurde die Herrschaft der Angelsachsen in Britan-
nien begründet, sondern sehr allmählich erfolgte die Einwanderung,
und Schritt vor Schritt mußte der Boden den weichenden Britten
abgekämpft werden ; demgemäß beruht das Besitzrecht der Sieger
auf der Eroberung, und von einem geordneten Verfahrerl gegerlüber
der keltisch-römischen Bevölkerung, von einer regelmäßigen Theilung
des Larrdes mit dieser, kann keine Rede seyn. *) Damit läßt sich
indeß recht wohl vereinigen, daß unter den Einwanderern selbst eine
geordnete Landestheilung vorgenommen worden sey, und in der
That läßt sich eine gewisse Regelmäßigkeit in der Austheilung der
Ländereien nicht verkenrren, welche am besten auf ein bei der er-
stell Einnahrne des Landes beobachtetes Verfahren zurückgeführt
werderl zu dürfen scheint. Hiernach hätte aber zunächst das Volk
als Gesammtheit, d. h. die ganze zu einem Unternehmen geeinigte
und unter gemeinsamer Führung stehende Schaar von Einwande-
rern das erkämpfte Land in Besitz genommen; unter die einzelnen
Abtbeilungeit des Volks wäre dann das in Besitz genommene in
größeren Strecken vertheilt worden, doch so, daß dem Volksganzen
noch immer ein bedeutender Theil des Landes unvertheilt Vorbe-
halten blieb; die einzelnen Abtheilungen endlich hätten dann ihrer-
seits wieder unter ihre einzelnen Angehörigen Land zu Sonder-
eigenthum arlsgetheilt, lvährerrd aiich sie daneben einen Theil ihres
Bodens zu gemeinsamer Benützung unvertheilt in Gesammtbesitz
behalten hätten. So wäre also die dreifache Art von Grundbesitz
entstanden, die wir bei den Angelsachsen finden, nämlich foldand
oder folcscearu, d. h. Land, welches im Gesammteigenthume des
ganzen Volkes steht, — mearc oder gemaennis, d. h. Land, wel-
ches im Gesammteigenthume eirrzelner größerer Genossenschaften im

l) Vergl. Die germanischen Ansiedlungen und Landtheilungen in
den Provinzen des römischen Westreiches, — von Dr. E. Th. Gaupp;
Breslau 1844, auf pag. 547—8.

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