Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Maurer,

Ungerechtigkeit übersehen; nachdem bereits ein Abkaufen der Blut-
rache üblich geworden ist, und demnach das Sprichwort galt, llioZe
spero ok sid<\ odher höre, d. h. kauf dir den Speer von der Seite
ab, oder trag ihn, *) galt hier noch die Regel, daß die Rache um
einen erschlagenen 12 hyndnmman an 6 coorlas zu üben sev,
wie dessen Wergeld den sechsfachen Betrag des Wergeldes eines
ccorl erreichte —* 2) daß, wenn zur Rache ein Mann allzuhohen
Werthes erschlagen worden war, der Ueberschuß seines Werths
über den des zu Rächenden in Geld oder Blut hinausbezahlt
werden mußte,3) ganz wie bei mehrfachen Todtschlägen unter An-
gehörigen verschiedener Geschlechter eine förmliche Bilanz gezogen,
und der für die eine oder andere Seite sich ergebende Saldo mit
Geld oder Blut gut gemacht werden mußte.4) So ergibt sich
denn, daß bei Wergeldszahlungen, soweit es überhaupt zu
solchen kam, das Geschlecht des Todtschlägers eben so gut mit die-
sem zahlen mußte, als das des Erschlagenen mit dessen Erben zum
Empfange berechtigt war, und zwar lag in der Zahlung nicht bloß
eine Beisteuer an den schuldigen Verwandten, sondern ein Abkaufen
der gegen die eigene Person seiner Angehörigen gehenden Fehde,
ganz wie das Geschlecht des Erschlagenen nicht nur die diesem,
sondern auch die ihm selbst angethane Verletzung verfolgte: nach
beiden Seiten hin rechtfertigt sich die mehrmals vorkommende Be-
zeichnung des Wergeldes als mae^llot, Geschlechtsbuße.5) So
erscheint denn auch das Verfahren, durch welches die Zahlung eines
Wergeldes übernommen, und dagegen unter den Betheiligten der
Frieden wieder aufgerichtet wurde, geradezu als ein Friedensschluß

*) Edw. Conf. 12.
2) Eide, §. 13; ganz ähnlich auch die Lex Saxonum, 11,5. Ueber
die Ausdehnung der Rache auf die Verwandten des Schuldigen, vergl.
übrigens auch noch Acdhelr. II, 6; IX, 23.
3) L. Henr. 88, §. 11.
'*) L. Henr. 70, §. 9. Genau dasselbe Verfahren zeigen die ischn-
dischen Sagen in einer Menge einzelner Falle eingefchlagen.
3) Bei offenem Morde, der bnßlos ist, wird der Schuldige wenig-
stens noch dem Gefchlechte des Gemordeten zur Vollstreckung der Todes-
strafe hinausgegeben; Cnut. S 57, vergl. 65. Dabei konnte aber freilich
von einer Mithaftung der Verwandten des Todtschlägers keine Rede
mehr seyn.

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