Volltext: Band (Bd. 1 (1853))

44 Die Singularsiiccession in Obligationen.
will der Uebernehmer, und dem vom Uebernehmer Gewollten gibt
der Gläubiger seinen Consens. Der Uebernehmer will sich dem
Willen unterwerfen, welcher den bisherigen Schuldner beherrscht
hat, — Vas erkennt der Gläubiger an. Der Uebernehmer will sich
mit dem Bande binden, mit dem der bisherige Schuldner gebunden
war, — das ratisicirt der Gläubiger. Es kommt ein Vertrag zu
Stande über die Verpflichtung eines bisher Unverpflichteten, aber
nicht über eine neue Verpflichtung.
Hier ist der Punkt, wo sich unsere Rechtsanschauung von der
römischen trennt, indem sie über dieselbe hinausgeht. Für die
römische Betrachtung überwiegt die formelle Seite der Sache, für
die unsrige die materielle. Die Römer sagen: eine andere obliga-
torische Thatsache, deßwegen eine andere Obligation. Wir sagen:
dieselbe juristische Bestimmtheit des Rechtsverhältnisses, deßwegen
dieselbe Obligation. Die Römer konnten von ihrer Auffassung um
so weniger lassen, als ihnen für die obligatorische Thatsache, durch
welche der Uebernehmer verpflichtet werden sollte, die scharf aus-
geprägte Stipulationsform nöthig erschien. So wurde ihnen der
Act, den wir als Suecession auffassen, zur Novation.
Noch ein Zweifel ist zu beseitigen. Ich muß auf den Ein-
wand gefaßt seyn, daß die Erklärung des Uebernehmers, Schuldner
seyn zu wollen, gar keine Erklärung dem Gläubiger gegenüber sey,
folglich auch der Gläubiger durch Acceptation derselben keine Rechte
gewinnen könne. Die Thatsache selbst, welche hier geltend gemacht
wird, ist anzuerkennen. Die Uebernahme ist ein Rechtsgeschäft, wel-
ches mit dem Schuldner abgeschlossen wird, nicht mit dem Gläu-
biger. Zwar wenn dieser unmittelbar bei demselben zugegen ist
und consentirt, liegt die Annahme nicht zu weit entfernt, daß der
Uebernehmer die Erklärung, welche er in der Uebernahme abgibt,
auch auf seine Person mit richte. Aber in der Regel geschieht die
Uebernahme ganz ohne ihn, und sein Consens erfolgt erst hinterher.
Ich selbst habe diesen Zweifel oben gegenüber der Ansicht angeregt,
welche in der Uebernahme eine Novation sieht. Hier habe ich zu
sagen, daß er mir unbegründet zu seyn scheint. Aus jener That-
sache darf nicht geschloffen werden, was daraus geschloffen wird.
Wenn auch der Uebernehmer seine Erklärung nicht dem Gläubigre
gegenüber abgibt, so kann sie doch von demselben acceptirt werden.
Wenn er auch nicht ihm erklärt, ihm verpflichtet seyn zu wollen,

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