Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Kurze Anzeigen.

Untersuchung Homeyers an. Schon vor Jahrzehenden hatte
Michelsen seine Aufmerksamkeit der alten Uebung der Hausmarken
zugewendet und theilt nun, angeregt durch die Arbeit und die
Aufforderung Homeyers, die Resultate seiner Forschungen mit.
Die Sitte der Hausmarken, d. h. bestimmter ursprünglich
meistens geradliniger, zu einem einfachen Schristzug verbundener
Zeichen, welche der Eigenthümer eines Hauses gewöhnlich über
der Thüre einschneiden oder eingraben ließ, um so gewissermaßen
das HauS individuell zu bezeichnen, reicht über die historisch be-
kannte Zeit der germanischen Völker hinauf. Das nämliche Zeichen
diente dann auch dem Eigenthümer , sein Vieh und etwa seine
Geräthschaften damit zu bezeichnen, ihnen gleichsam damit den
Stempel seiner Herrschaft aufzudrücken. Wie heutzutage Leute,
die nicht schreiben können, mit Kreuzen unterzeichnen, so benutzten
unsere wenig schriftkundigen Vorfahren die Hausmarke zur Unter-
schrift. Die bei dem Looswerfen gezeichneten Stäbe, von denen
Tacitus spricht, waren durch solche Marken individuell gekennzeichnet
(Vgl. lex krision. tit. 14) und der gezähmte Hirsch (signum habens)
in der lex Salicä 33, §. 2 trug eine solche Marke. Ausführliche Be-
stimmungen über diese Bezeichnung des Viehs enthält die isländische
Graugans. An den Zeichen erkennt man wem es gehört, und
ungezeichnetes Vieh darf jeder auf seinem Lande an sich nehmen
und ungestraft sich aneignen. Die Harpunen zum Wallfischfang
waren ebenso gezeichnet, und das Cigenthum des getödteten
Thieres folgte dem Zeichen der Harpune, die in ihm stak. Die
Hausmarke war in der Gemeinde bekannt und anerkannt. Sie
vererbte in der Familie und konnte veräußert werden. Durch die
Sitte, seine werthvolleren Sachen zu zeichnen, andere nicht, wurde
ein Gegensatz gezeichneter und ungezeichneter Sachen begründet,
der auch auf die Rechtsbildung von Einfluß war. Das Eigen-
thum an jenen war nicht bloß erkennbar und um deßwillen die
Rechtsverfolgung gesicherter: der Verkehr selbst scheint in alter Zeit
— nach dem Zeugniß der nordischen Rechte — mit Bezug auf
solche Sachen durch die Nothwendigkeit öffentlicher For-
men der öffentlichen Controle unterworfen worden zu seyn. Bei
dem Verkaufe solcher Sachen werden Zeugen und der sogenannte
Vin als Garant zugezogen, wie bei den Römern der libripens
und die Zeugen bei der Veräußerung von res maneipi. im Gegen-

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