Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.

dann nicht streiten, wenn es sich um die Vertheidigung des eigenen
Magen handelt: * 2 3 4) der Treue gegen den Herrn muß sogar die
Festigkeit der Blutsbande weichen! So wird bereits in früher
Zeit der am Herrn begangene Verrath (Klakordsoaro, hlafordes
syrwung, hlafordswice) zu den wenigen Verbrechen gezählt, die
mit keiner Buße gesühnt werden können,2) und das erzwungener-
weise eidlich gethane Versprechen eines solchen Verrathes darf trotz
der Heiligkeit des Eides nicht erfüllt werden: 3) selbst derjenige,
der auS bloßer Feigheit und ohne böse Absicht seinen Herrn im
Kampfe verläßt, soll sein Leben und all sein Gut verlieren, während
der Mann, der vor seinem Herrn in der Schlacht fällt, noch in
seinen Erben geehrt und belohnt wird. 4) Selbst über das Zeit-
liche hinaus scheint die Verbindung zwischen Herrn und Mann
ihre Wirksamkeit zu erstrecken; dem „an Freunden reichen" Manne
wird ausdrücklich gestattet, schwere Kirchenbußen, die ihm etwa
auferlegt werden, durch seine Leute ausstehen zu lassen, und es
kann in dieser Weise ein siebenjähriges Fasten dadurch abgethan
werden, daß der mächtige Sünder 852 seiner Leute je drei Tage
für sich fasten läßt!5) Sehr deutlich tritt die ganze sittliche Seite
des Verhältnisses in dem bekannten Huldigungseide hervor, der freilich
wohl von den gewöhnlichen Dienstleuten eines gewöhnlichen Herrn
nicht mochte gefordert werden; der Mann schwört hier, alles zu
lieben was sein Herr liebt, und alles zu hassen was sein Herr
haßt, nie mit Wissen und Willen, mit Wort oder Werk ihm etwas
zu thun, das ihm leid sey, ihm hold und getreu zu seyn, wenn
nur der Herr ihn so halte wie er es verdienen werde, und wie
man damals übereingekommen sey, als er sich ihm geneigt, und

*) Aelfr. §. 42.
2) Aelfr. Prvl. S. 58, und §.4; Aedkelst. I. §.4; Eadg. II. §. 7;
Cnut. 8. §. 26, 58 und 65.
3) Aelfr. tz. 1.
») Cnut. S. §. 78—9.
5) Eadg. Can. S. 288; ein Beispiel einer solchen Sühne durch
andere gibt Lingard, Alterthümer der angelsächsischen Kirche, übers
von Dr. F. H., S. 126. Daß die Büßenden Dienstleute des vornehmen
Sünders seyn mußten, ist freilich nicht ausdrücklich gesagt, indeß an sich
klar, daß in der Regel nur solche „Freunde" zu solchem Dienste ver-
wendbar waren.

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