Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Zur Lehre von dem deutschen Erbrecht. 403
Meinung: Sie haben den versprochenen Lohn zu fordern, so-
weit er bis zum Tode des Erblassers verdient war, aber nicht
soweit er nicht verdient war. (Sachsensp. 1. 22. §. 2.) Der
Gegensatz liegt nicht im Versprechen und Haben, sondern im Ver-
dienthaben und Nichtverdienthaben, und das hat nach der Natur
dieser gegenseitigen Obligatio einen ganz guten Grund.
Mit Unrecht nimmt daher auch Siegel an, die Klagen gegen
die Erben und des Erben seyen immer dinglich, nicht persön-
liche Schuld- und Forderungsklagen gewesen. Wie wäre
eine dingliche Klage aus Darlehen denkbar? Oder sogar auf
Uebertragung einer Sache, woran der Kläger überall kein dingliches,
worauf er nur ein persönliches Recht hat? Wenn die Rechts-
quellen dem Eigenthümer einer Sache gestatten, dieselbe den
Erben des Depositars oder Leiherö gegenüber durch die
Anfangöklage anzusprechen, während sie die Vindication gegen
einen dritten Besitzer, dem der Depositar oder Leiher dieselbe
veräußert hat, nicht zulassen, so hat das einen genügenden Grund
darin, daß der Erbe nicht wie ein Dritter sich der dinglichen
Klage gegenüber darauf berufen darf, der Kläger habe ja die Sache
dem Erblasser anvertraut, also möge er sie bei diesem suchen.
Und daraus, daß der Eigenthümer seine Sache, die sich in der
Erbschaft vorfindet, „anfangen" darf, folgt gar nicht, daß er nicht
auch eine persönliche Forderung aus Depositum oder Leihe gegen
die Erben anstellen dürfte. Er wird es aber nicht thun, weil der
Beweis viel schwieriger und die Anfangsklage günstiger ist. Der
für Geltendmachung von Erbschaftsschulden vorgeschriebene Beweis
mit 72 Eideshelfern wird bei der Anfangsklage entbehrlich. Er
hat nur einen Sinn für Forderungen an die Erben aus
Schulden des Erblassers. Ganz unzweideutig belehrt z. B. der
Richtst. e. 10. „Claget man auf den, des Wort du sprichest, das
er sei N. schuldig von H. wegen, des erb er genomen
hat, so sprich zu dem Achter: N. der piet eines Urteils, nachdem
das er schuld vor der t auf H. nach toter hant, ob er
sie im icht beweisen fülle? So vindet man: er sol sie im beweisen.
So frage: Wie er es beweisen fülle? So sol man finden: mit
LXXIJ. schopffenbaren freien mannen oder echt gebornen lewten."
Weiß aber der Erbe von der Schuld, so kann der Gläubiger, wie

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