Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

Die neuesten Versuche deutscher Civil-Gesetzgebung. 373
getragenen wahren Eigenthümer der Besitz übertragen worden ist.
Mit Neratius (L. 31. 8. 2. D. 19. 1.) kann man denjenigen,
qui a non domino emit, füglich als schwachem Besitzer ansehen,
gegenüber demjenigen, welcher, wenn gleich ohne die Form der
Eigenthumsübertragung, vom wahren Eigenthümer seinen Besitz
ableitet. Und unter mehrern, die von demselben Auctor zu ver-
schiedenen Zeiten den Besitz erhalten haben, wird ja nach bis-
herigem Rechte immer schon derjenige, welcher später Besitz erwarb,
als schwächerer Besitzer betrachtet, was ganz angemessen auch dann
Anwendung findet, wenn dieser gemeinschaftliche Auctor der wahre
Eigenthümer war.
In einer Beziehung aber würde ein wesentlicher Unterschied
übrig bleiben. Der Eigenthümer der re8 mancipi, der zuvor das
bonitarische Eigenthum veräußert hatte, konnte durch spätere man-
cipatio an einen andern auch nur das nndiim ius, das er noch
behalten hatte, übertragen, und eben so denn auch keine wirksamen
dinglichen Rechte an der Sache bestellen. Die Vorschrift der Ein-
tragung in das Grundbuch dagegen hat wesentlich den Zweck, daß
jeder der Sicherheit seines Erwerbes, sey es des Eigenthums oder
eines andern dinglichen Rechts, insbesondere des Pfandrechts, voll-
kommen soll vertrauen können, wenn er nur von dem noch ein-
getragenen Eigenthümer des Grundstücks ihn ableitet und dessen
gehörigen Eintrag im Grundbuch erwirkt. Wer also auf diese
Weise das Eigenthum erworben hat, dem kann es nicht von einem
Dritten, dem ohne Eintrag das Grundstück veräußert worden,
streitig gemacht werden; er hat nicht bloß ein nudurn iu8, sondern
vollwirksames Eigenthum erworben, das er auch gegen jenen wie
gegen jeden andern mit vollem Erfolg geltend machen kann.
Mag man nun das Recht, welches hiernach durch Uebergabe
ohne Eintrag erworben wird, natürliches Eigenthum nennen oder
nicht, praktisch stellt es sich doch als ein eigenthumSahnliches Ver-
hältniß dar, das nur gegen diejenigen, welche nachher grundbuch-
mäßig Rechte an der Sache erworben haben, nicht wirksam ist.
Man gelangt also praktisch im Wesentlichen zu demselben Resultate,
das in den krit. Jahrb. a. a. O. als daö zu erreichende bezeichnet
worden ist. Freilich kann das Gesetz alle jene Rücksichten der
Billigkeit ignoriren, der bloßen Uebergabe des Grundstücks als
einer ganz nichtigen Handlung jede Wirkung absprechen, weder

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