Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

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Die Singularsuccession Ln Obligationen.

bruch sein Buch über die Cesston geschrieben hat, wüßte ich kaum
eine Lehre des gemeinen Rechtes, die in der allgemeinen Anerken-
nung so festgestanden hätte als folgende: die Obligation ist an
die Personen des Gläubigers und des Schuldners so fest geknüpft,
daß sie von ihnen nicht getrennt werden kann ohne unterzugehen;
eine Uebertragung ihres Vermögenswerthes, welche Bedürfniß des
Verkehrs ist, ist nur in der Weise möglich, daß der Gläubiger die
Ausübung des ihm zustehenden Forderungsrechtes einem anderen
zu eigenem Rechte überträgt, ihn zum proeurator in rem surmi
macht. Ein Widerspruch, den Noßhirt (1843) erhoben hat*),
ist ganz ohne Beachtung geblieben. Nun aber ist bereits in einem
gangbaren Lehrbuche zu lefen* 2): „Im heutigen Rechtsbewußtseyn
des Volks stellt sich die übertragene Forderung als eine dem Ces-
sionar eigene ebenso dar, wie eine veräußerte körperliche Sache als
Eigenthum des Erwerbers." Und erst vor wenigen Wochen hat
eine Stimme, die deßwegen nicht geringere Beachtung verdient,
weil es noch nicht seit langer Zeit ist daß sie von unserer Wissen-
schaft vernommen wird^), sich folgendermaßen ausgesprochen: „davon,
daß jener Satz" (es ist der Satz von der Unzulässigkeit der Be-
gründung einer Obligation durch Stellvertreter gemeint) „aus dem
Wesen der Obligation entspringe, werden sich viele ebenso wenig
überzeugen können, als von der Wesentlichkeit dessen, was Wesen
der Obligation seyn soll. Zu diesem gehöre ein besonders hoher
Grad von Persönlichkeit, eine besonders enge Beziehung auf be-
stimmte Personen; darum sey die Obligatio nicht übertragbar wie
Sachen, darum könne nur Gläubiger und Schuldner werden wer
selbst contrahire. Wir glauben umgekehrt sagen zu sollen: soweit
die Obligatio unübertragbar ist, nur Gläubiger und Schuldner
selbst contrahiren müssen, so weit ist die Obligatio von besonders
persönlicher Art; ob ihr diese Persönlichkeit wesentlich sey, hängt
davon ab, ob jene Unübertragbarkeit und diese Unvertretbarkeit
etwas vernunftnothwendiges und unabänderliches haben. Für ihre
Vernunftnothwendigkeit scheint es an einer Formel zu fehlen; was
Unübertragbarkeit anlangt, kann man sagen, die Obligatio ist nicht

d) In seiner Zeitschrift V. 41 ff.
2) Seuffert, praktisches Pandectenrecht §. 298 Note 4.
5) Brinz, kritische Blätter Nr. 2. S. 34.

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