Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

362 Die neuesten Versuche deutscher Civil-Gesetzgebung.
der Besitzentsetzer oder dessen Erben 8inc dolo malo nicht mehr im
Besitze der Sache sind. Dagegen hat S. in 8- 225. eine Be-
stimmung ausgenommen, die ganz zu gleichen Bedenken Anlaß
gibt, welche denn auch von Wächter S. 49 fg. dagegen erhoben
sind. Der 8.225. behält demjenigen, und nur demjenigen, welcher
gewaltsamer Weise im Besitze gestört oder aus demselben
verdrängt worden ist, auch nach Verjährung der Besitzklage noch
die Klage auf Ersatz des durch die Gewaltanwendung verursachten
Schadens bevor. Wollte S. damit denselben Gedanken ausdrücken,
den der revidirte H. ausspricht, so hat er sich jedenfalls sehr un-
klar ausgedrückt. Z. 8. 508. beschränkt die Dauer der Besitz-
klagen zur Vertheidigung oder Wiederherstellung des Besitzes, welche
in der Regel „in Form des Befehlverfahrens" erledigt werden, aus
sechs Monate, gibt aber nach deren Ablauf noch, mit dem ge-
meinen Rechte übereinstimmend, eine gewöhnliche Klage gegen den
Verletzer, insoweit derselbe aus dem begangenen Unrecht bereichert
worden ist.
Beachtenswerth ist endlich die oben unter 5. erwähnte Besttz-
rechtsklage. Sie ist im Wesentlichen die römische Publiciana in rem
actio, in Anwendung auf alle dinglichen Rechte, und zugleich auch
als Publiciana negatoria actio (Z. 88. 516 —519. und 531.).
Im ersten Entwurf ertheilte der 8. 842. eine dingliche Klage zum
Schutze des Besitzrechts im Allgemeinen jedem redlichen und zu-
gleich rechtmäßigen Besitzer, und der K. 845. erklärte näher: „Sie
ist nicht bloß für Eigenthumsbesttz, sondern auch für anderweitigen
rechtmäßigen Besitz, als z. B. Pacht-, Faustpfand-, Miethe-, Ser-
vitutenbesitz je nach Maßgabe und Art des entsprechenden dem
Besitze zum Grunde liegenden Rechtsgrundes anwendbar." Dieser
war freilich schon in seiner Fassung einer Aenderung bedürftig;
er gab zugleich der Klage eine so weite Ausdehnung, daß diese
z. B. auch dem Commodatar, der in gutem Glauben erworbenen
Leihebesitz hatte, eingeräumt werden müßte, was gewiß praktisch
unangemessen wäre. Aus der Revision ist nun der 8- 516. her-
vorgegangen; er sagt: „Der redliche und zugleich rechtmäßige Be-
sitzer hat, insofern das seinem Besitze entsprechende Recht durch
eine dingliche Klage geschützt wird, eine dieser nachgebildete ding-
liche Besitzrechtsklage u. s. w.;" und der 8» 531. gewährt denn
nach Analogie des Sachenbesitzes auch für den Besitz von Rechten

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