Full text: Volume (Bd. 1 (1853))

4. Die Singularsuccession in Obligationen Die Singularsuccession in ObligationenDie Uebernahme fremder Schulden nach gemeinem und preußischem Rechte. Von Berthold Delbrück, Kreisrichter zu Bergen auf Rügen. 1853

I».
Die Singularsuccestion in Obligationen.
Für die Wissenschaften wie für den Einzelnen gibt es Wende-
punkte, mit denen ein neues Leben beginnt. Wer kann es läugnen,
daß gerade jetzt die Wissenschaft des römischen Rechtes sich in
einem solchen Wendepunkt befindet,? Mit täglich wachsender Macht
tritt das Bewußtseyn an sie heran, daß eine deutsche Rechtswissen-
schaft kein anderes Ziel haben könne, als Wissenschaft des deutschen
Rechtes zu seyn. Immer bestimmter wird ihr die Aufgabe gestellt, j
daß sie das römische Recht messe mit dem Maße unseres nationalen ;
Bewußtseyns, ausscheide was demselben widerstrebt, als unser
Recht begreife was ihm entspricht.
Diesem Gedanken gehört die Zukunft. Es muß eine Zeit
kommen, für welche der Gegensatz zwischen Romanisten und Ger-
manisten ein verklungener ist, wo der deutsche Jurist nichts ist als
der Pfleger des deutschen Rechtsbewußtseyns. Welche Arbeit bis
dahin noch zu thun ist, wer verkennt das? Welche Irrwege im
Einzelnen werden gegangen werden, wer täuscht sich darüber? Aber
niemand wird ermatten, der auf das Ziel blickt, die Ehre und
die Glorie des deutschen Volkes auch auf diesem Gebiete!
Zu den Sätzen des römischen Rechts, welche die nationale
Regung, von der ich sprach, in einem seit langer Zeit ungestörten
Besitz zu beunruhigen anfängt, gehört auch der von der Unzulässig-
keit der Singularsuccession in Obligationen. Wenigstens wir jün-
gern Juristen könnten auf ihn fast anwenden, was Cicero von den
12 Tafeln sagt, — discebamus pueri ut carmen necessarium.
Immer freilich ist es nicht so gewesen; aber seitdem Mühlen-

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